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Qasr al-Bint

Qasr al-Bint

Das am besten erhaltene freistehende Bauwerk in Petra ist der Haupttempel der antiken Stadt. Der Fantasiename Qasr al-Bint Far'un - "Palast der Pharaonentochter" - stammt von Beduinen und hat mit einer lokalen Sage zu tun. Es gibt keine Inschrift oder andere eindeutige Belege, für welche Gottheit die Kultstätte errichtet wurde, doch ist es wohl der nabatäische Hauptgott Duschara.

Die Nabatäer erbauten den Tempel ungefähr in derselben Zeit wie die berühmte Al-Khazneh (Schatzhaus), d.h. in der zweiten Hälfte der Regentschaft von König Aretas IV. (regierte 9 v. Chr. - 40 n. Chr.). Mehrere Großbauten stammen aus dieser Phase der monumentalen Ausgestaltung des Stadtzentrums, worauf u.a. ähnliche ornamentale Elemente an der Khazneh, dem sogenannten Großen Tempel (Südbau), dem Löwen-Greifen-Tempel und dem Qasr al-Bint schließen lassen. Letzterer entstand an privilegierter Stelle auf der Südseite des Wadi Musa auf einer eingeebneten Terrasse. Die Archäologen entdeckten in dem Gebiet Spuren der ältesten nabatäischen Besiedlung von Raqmu / Petra. Möglicherweise existierte dort schon vor dem Qasr al-Bint eine Kultanlage.

Das Temenos, den heiligen Bezirk, betritt man durch ein Tor aus römischer Zeit (nach der Annexion des Nabatäerreichs 106 n. Chr.) am Ende der Kolonnadenstraße. Bevor man den mächtigen Tempel erreicht, kommt man an der Ruine eines ursprünglich zweigeschossigen Hauses östlich (links) von diesem vorbei, in dem kultische Bankette stattgefunden haben könnten. Auf dem Platz vor dem Tempel und an dessen Mittelachse ausgerichtet befindet sich ein großer Opferaltar, zu dem eine breite Treppe hinaufführt. Die Westseite des Temenos dominiert ein langgestrecktes Bauwerk, dereinst mit einer Säulenreihe vor den Wänden. In dessen Apsis standen große Marmorstatuen, die sicherlich die römischen Kaiser Marcus Aurelius und Lucius Verus darstellten, denn ihnen war das zwischen 165 und 169 n. Chr. eingeweihte Monument des Kaiserkults gewidmet.

Der Tempel selbst ist ein hervorragendes Beispiel für die Verschmelzung griechisch-römischer und östlicher Elemente in der Baukunst der Nabatäer. Die Fassade wurde nach griechischem Vorbild als tetrastylos in antis gestaltet, also mit vier Säulen zwischen den verlängerten Seitenwänden, die das aufwendig gestaltete Gesims und einen flachen dreieckigen Giebel trugen. Bezüge zur römischen Tempelarchitektur werden u.a. im Blockhaften des Baukubus, dem 3 m hohen Podium, auf dem der Tempel steht, und der breiten Freitreppe gesehen. Östliche Gestaltungsprinzipien lagen insbesondere der kleinteiligen Stuckdekoration der Wände zugrunde, von der diese vollends bedeckt waren, was an den vielen Löchern für die Verankerung zu erkennen ist.

Von der Vorhalle gelangten die Priester durch eine hohe Tür in die Cella (Kultraum). Die Mitte von deren Rückwand dominierte ein nach vorn offener Raum mit dem Allerheiligsten: dem Kultpodium (mōtab - nabatäischer "Sitz" der Gottheit), auf das ein anikonischer Betyl als Medium der Gottespräsenz gestellt wurde. Den mittleren Raum flankierten zwei Seitenhallen mit einem Obergeschoss, die wohl für rituelle Mahlzeiten dienten. Von diesen führten zwei Treppen auf die Emporen der Hallen und weiter auf das Tempeldach, wo dem Herrn des Himmels Weihrauchopfer dargebracht wurden und andere kultische Handlungen stattfanden.

Detailliertere Informationen auf den Bildseiten des Fotorundgangs.

Grundriss des Qasr al-Bint

© Zeichnung: Universes in Universe

© Zeichnung: Universes in Universe, ausgehend von einer Infotafel am Ort und anderen Quellen

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