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Löwen-Greifen-Tempel

Löwen-Greifen-Tempel

Der nabatäische Kultkomplex des Löwen-Greifen-Tempels befindet sich in prominenter Lage am nordwestlichen Hang des Wadi Musa gegenüber dem sogenannten "Großen Tempel". Er besteht aus dem sakralen Bau mit den dazugehörigen Anlagen, Wohneinheiten, Werkstätten sowie einem Hof auf der Nordseite.

Die umfangreichsten Ausgrabungen fanden zwischen 1974 und 2005 unter der Leitung von Philip C. Hammond statt. Gleich in der ersten Phase kamen Fragmente von Kapitellen mit geflügelten Löwen (Greifen) zutage, nach denen das Bauwerk benannte wurde. Die archäologischen Erkundungen lassen auf eine Nutzung des Tempels vom Ende des ersten Viertels des 1. Jhs. n. Chr. bis zum Erdbeben im Mai 363 n. Chr. schließen.

Als die berühmte Augenstele mit der Inschrift "Göttin des Hayyan, Sohn des Naybat" an diesem Ort gefunden wurde, galt dies Hammond als ein Beleg dafür, dass der Tempel einer der wichtigsten weiblichen Gottheiten der Nabatäer gewidmet war. In der ganzen Region bezeichnete man sie als 'Allat (die Göttin), in Petra wurde sie auch al-'Uzza (die Mächtigste) genannt. Diese einheimische Göttin ist offensichtlich mit weiblichen Gottheiten der hellenistischen und römischen Welt, wie Isis und Aphrodite, synkretisiert worden.

In der Antike war der Tempelbezirk durch eine große Brücke über das Wadi Musa mit der Kolonnadenstraße verbunden. Eine Toranlage (Propyläum) am aufsteigenden Nordhang führte zu einem Portikus mit zwei riesigen Säulen (ca. 13 m hoch) und seitlich vorspringenden Wänden, gekrönt von nabatäischen Adaptionen korinthischer Kapitelle. Die umlaufenden Pilaster dieses Pronaos zierten Reliefskulpturen auf in die Mauer eingefügten Blöcken. Die Säulen stürzten wahrscheinlich beim Erdbeben von 363 n. Chr. ein, das den Tempel zerstörte. Ihre beeindruckende Dimension kann man noch anhand der Säulentrommeln vor Ort erkennen.

Im innere Hauptraum des Tempels (Cella, ca. 17 x 17 m) steht in der Mitte ein Podium, mōtab genannt, der nabatäische "Sitz" der Gottheit, auf den Betyle als Medium der Gottespräsenz gestellt wurden. Um diese quadratische Plattform stehen zwölf Säulen, die dereinst von den Kapitellen mit geflügelten Löwen anstelle der Eckvoluten bekrönt waren und wahrscheinlich eine Art Baldachin stützten. Die geflügelten Löwen gelten als apotropäische Symbole, als Wächter des Heiligtums. Fünfstufige Treppen an den beiden vorderen Ecken führten zu eisernen Türen hinauf, wie Spuren von Rost belegen. Der Boden des Podiums war mit schwarzen und weißen Marmorplatten in geometrischen Mustern ausgelegt. An der Rückseite der Plattform gibt es eine kleine Krypta, wahrscheinlich für die Aufbewahrung von Kultgegenständen. Gefundene Bleiklammern lassen vermuten, dass die Zwischenräume der Säulen mit Vorhängen verschlossen waren. Flankierende Gänge mit weiteren Säulen bilden einen schmalen Umgang, durch den die Kultplattform in rituellen Prozessionen umrundet werden konnte.

An den Innenwänden der Cella, die in leuchtenden Farben bemalt und mit aufwendigen Stuckleisten verziert waren, dienten flache Nischen zum Aufstellen von Kultobjekten und Opfergaben für die Göttin. Aufgrund von Funden und Berechnungen nimmt man an, dass es eine zweite Etage gegeben haben könnte, in deren mit Säulen versehenen Wänden Fenster gewesen sind.

Ausgrabungen in den 1970er und 1980er Jahren im südwestlichen Bereich brachten eine Reihe von Bögen zum Vorschein, die bis zu 5,75 m hoch waren und den Tempel abstützten. Die großen, von den Ausgräbern "Liwan" (hohe, einseitig offene Halle mit Tonnengewölbe) genannten Bögen sind verputzt und bemalt gewesen. Sie könnten den Priestern und Pilgern, die den Tempel aufsuchten, Schutz geboten haben.

Diverse Räume nordwestlich des Tempels scheinen etwas später entstanden zu sein. Ihre Bauweise ist grundlegend anders, sie wurden mehrmals umgebaut. Ihre Lage legt jedoch nahe, dass sie ursprünglich direkt mit der Tempelanlage verbunden waren. Einige könnten Wohnungen für das Tempelpersonal gewesen sein. Gefundene Altäre deuten auf rituelle Aktivitäten hin. Bei anderen Räumlichkeiten scheint es sich um Werkstätten zu handeln. Dort fanden die Archäologen Belege für das Schleifen von Pigmenten, die Bearbeitung von Marmor, die Herstellung von Miniaturaltären, die Verarbeitung von Öl und das Hämmern von Metall - alles Aktivitäten, die wahrscheinlich den religiösen Betrieb und Unterhalt des Tempels unterstützten. Neben Keramik lassen weitere Alltagsgegenstände die Anwesenheit von Männern und Frauen erkennen.

Nördlich des Tempels gibt es eine große, fast quadratische gepflasterte Fläche, Nordhof genannt. An seiner Ostseite befindet sich ein monumentaler Eingang, an der Westseite ein kleinerer. Die Nord-, West- und Südwände haben an der Innenseite zwei oder drei Stufen oder vielleicht Bänke. Man nimmt an, dass sie von Säulenreihen umgeben waren, zwischen denen sich schrankenartige Schutzmauern befanden. Die genaue Funktion dieses rätselhaften Raumes bleibt unbekannt.

Die Temple of the Winged Lions Cultural Resource Management (TWLCRM) Initiative begann 2009 als Kooperation zwischen dem American Center of Oriental Research (ACOR), dem Department of Antiquities of Jordan (DOA) und dem Petra Archaeological Park (PAP), die lokale Behörde, die Petra verwaltet und leitet.

Die Initiative will mit ihrer Arbeit den Tempelbezirk stabilisieren, erhalten und präsentieren sowie die ihn umgebende Landschaft sanieren. Das alles soll durch soziales Engagement und die Einbeziehung der lokalen Gemeinden geschehen.

Das TWLCRM bietet der zumeist aus Beduinen bestehenden lokalen Bevölkerung von Petra Arbeit, Schulungen und Bildungsmöglichkeiten, um sie in die Lage zu versetzen, gleichberechtigte Partner für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung des Standorts zu werden. Mehr dazu auf acorjordan.org

(© Zusammenfassung und Übersetzung: Universes in Universe. Aus Informationen des TWLCRM am Ort und anderen Quellen, darunter: Christopher A. Tuttle & Tali Erickson-Gini)

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