Ahmed Mater: Wüste von Paran

Statement des Künstlers zu seinem Projekt über die rasante urbane Entwicklung in der heiligen Stadt Mekka.
Apr 2013

Desert of Pharan [Wüste von Paran] ist ein fortlaufendes Projekt, das die rasante Entwicklung der heiligsten Stadt des Islam dokumentiert. Der Titel bezieht sich auf einen frühen Namen für Mekka bzw. die Wildnis und Berge in jener Gegend, im Alten Testament als Wüste von Paran erwähnt.

Das zweite Kapitel dieses Projekts wird gegenwärtig auf der Sharjah Biennale 11 präsentiert. In Desert of Pharan / Room with a View [Wüste von Paran / Zimmer mit Aussicht] geht es um die Spannung zwischen öffentlichem und privatem Raum in islamischen Städten. Mekka ist das Zuhause von mehr als einer Million Einwohnern, doch wird es derzeit verändert, um den Bedürfnissen von Millionen von Pilgern und Touristen gerecht zu werden. Existierende Modelle urbaner Entwicklung sind in gewaltigem Ausmaß implementiert worden. Ausgestattet mit importiertem finanziellen und Entwickler-Know-How strebt Mekka eine Umwandlung an, um sich an den geopolitischen, technologischen, Umwelt-, geomorphologischen und religiösen Kontext anzupassen, in dem es existiert.

In der Stadt Mekka wird eine neue Zukunft entworfen. Deren Konturen sind inmitten einer Landschaft sichtbar, in der es von Initiativen nur so wimmelt - von den am meisten öffentlichen bis zu den privatesten -, die darauf abzielen, scheinbar feststehende Rituale, Zustände und Voraussetzungen auszuweiten und neu zu erfinden. Das kulminiert offenbar in einer neuen Vorstellung vom Leben im Zentrum der islamischen Welt. Mekka ist eine Quelle. Mekka ist durch seine eigene Geschichte geformt, die bis zu den Zeiten Abrahams zurückverfolgt werden kann, und gleichzeitig setzt sie in wachsendem Maße signifikante Effekte frei, weil die globale muslimische Bevölkerung anwächst und mehr miteinander verknüpft ist. Inmitten einer sich schnell wandelnden ökonomischen Landschaft untersucht Mekka seine Situation in Bezug auf sich selbst und die Welt aufs Neue.

Im heutigen Saudi-Arabien sind auf importiertem Entwicklungswissen basierende Modelle urbanen Bauens der Ausgangspunkt für eine Menge an Vorschlägen für neue Städte geworden. Der größten Teil davon wird auf einer sozialen und historischen tabula rasa errichtet. Mekka präsentiert einen alternativen Dialog zwischen Plan und Realität. Wie wenige andere Städte des 21. Jahrhunderts ist diese hinsichtlich ihrer historischen, geopolitischen und religiösen Symbolik in einem komplexen und hoch emotionalen Kontext verwurzelt. Es ist sowohl einer der meist besuchten Orte auf Erden als auch einer der exklusivsten, und doch ist dieser im Wandel begriffen, bewegt sich, wächst und erfindet sich neu.

Zwischen den Mega-Bauprojekten wird der öffentliche Raum zusammengequetscht, und die Umgebung der wichtigsten Moschee des Islam wird privatisiert. Indem der öffentliche Raum unter dem Druck von Grundstückspekulation, Sicherheitsmaßnahmen und kollektiver Vernachlässigung verschwindet, erhöht sich der Preis für den privaten Zugang: ein Blick auf den Haram al Sharif, den öffentlichen Hof um die Kaaba herum, kann den Preis eine Hotelzimmers auf bis zu 3000 US Dollar pro Nacht hochtreiben.

Diese Arbeit fragt: Wird der öffentliche Raum in der islamischen Stadt zu einem Luxusgut? Wird der Hof zu einer kommerziellen Fiktion?

(Aus dem Englischen: Haupt & Binder)

Desert of Pharan

Fortlaufendes Projekt von Ahmed Mater
* 1979 Tabuk, Saudi-Arabien.

Zweites Kapite:
Desert of Pharan/Room with a View. 2011-13
Fotografien und Videoinstallation

Gezeigt auf der Sharjah Biennale 11
13. März - 13. Mai 2013
Vereinigte Arabische Emirate
Gebäude der Sharjah Islamic Bank


Siehe auch:

SB11-logo
13. März - 13. Mai 2013, Vereinigte Arabische Emirate. Kuratorin: Yuko Hasegawa. Präsidentin und Direktorin der Sharjah Art Foundation: Hoor Al Qasimi.
Nafas
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