Dinh Q. Lê: Die Bauern und die Hubschrauber

Die Bauern und die Hubschrauber. Video-Installation, von Bauern in Vietnam gebaute Helikopter.
Von Joselina Cruz | Nov 2008

Fliegende Libellen füllen die Projektionsfläche, ihr Summen ertönt als Hintergrund zu einem Gesang, bevor das Drönen von Hubschraubern aufkommt. Die Bauern und die Hubschrauber (2006) wurde erst zu einem Video, nachdem das Objekt existierte.

Diese Hubschrauber sind die erstaunlichen Geräte, zu denen das Video ein poetisches Gegenstück geworden ist. Sie wurden von Grund auf konstruiert und gebaut von Le Van Danh (einem Bauern) und Tran Quoc Hai (als Mechaniker ein Autodidakt), beide aus der Provinz Tay Ninh, in der ein Bataillon der Luftwaffe der US-Armee und Kampfhubschrauber stationiert waren. Der Wunsch, einen solchen Hubschrauber zu bauen, entstand bei den beiden aus dem Traum, ein solches Fluggerät zu "besitzen", es festzuhalten und mit den Händen zu greifen. Bisher haben sie drei davon gebaut, alle aus Schrott und Resten von Maschinen, die es in diesem Teil von Vietnam zur Genüge gibt.

Hubschrauber sind im Leben von Le und Tran mehr als nur eine Metapher. Im Video von Dinh Q. Lê wird dem Spektrum der vom Anblick und vom Geräusch der Hubschrauber hervorgerufenen Erinnerungen freier Lauf gelassen. Wir sehen Vietnamesen, die von tief sitzenden Erinnerungen berichten. In anderen Bildern werden kollektive, allgemeine und westliche "Geschichten" über und Erinnerungen an diesen Krieg durch Ausschnitte aus Blockbuster-Filmen (wie Apocalypse Now) ausgebreitet. Die Interviewten reden über ihre Angst, den Terror und die Unsicherheit und versehen die Kriegsmaschinen sogar mit moralischen Urteilen. Die Erbauer der Hubschrauber, Le und Tran, berichten darüber, wie sie als kleine Jungen gefangengenommen worden sind. Für sie repräsentierten diese rotierenden Gerätschaften etwas anderes als nur Bombenabwürfe. Sie verkörperten Macht über Leben und Tod, sie konnten zerstören oder retten.

2003 begannen die Bauern, ihren ersten Hubschrauber zu bauen. Er war nach dem Vorbild des Bell UH-1 entworfen, besser bekannt als der "Huey". Die beiden waren weder ausgebildet, noch mit irgendwelchen speziellen Kenntnissen ausgestattet, und so ist der von ihnen gebaute Hubschrauber ein Flickwerk. Unter der verblassten Farbe kann man die unregelmäßigen Konturen der Außenhaut sehen, offenbar von einem kleinen Traktor stammende Räder, den aus einem Auto geholten Pilotensitz. In Trans Reparaturwerkstatt gefundene Teile wurden modifiziert, der Motor wurde aus einem russischen Lastwagen ausgebaut, die Rotorblätter sind aus verschiedenen Materialien zusammengebastelt. Ihnen ging es im wesentlichen darum, die äußere Erscheinung des Objekts nachzubilden, nicht unbedingt seine komplexe Technologie zu kopieren. Darum ist der Huey von Le und Tran kastenförmig, fast rechteckig, ungelenk, ausgesprochen klobig. Man fragt sich, ob er überhaupt fliegen kann. Aber er tat es tatsächlich, und deshalb haben sie zwei weitere gebaut. Einer der beiden Bauern sagt in dem Video, dieses hausgemachte Fluggerät wurde zu "... einem lieben Freund." Die Erfüllung ihres Traumes fungiert als Bestätigung ihrer eigenen Version von Geschichte, und diese ist weitaus differenzierter als die größeren Geschichten voller Vorteile, die so anders sind als ihre eigene.

 

Joselina Cruz

Freischaffende Kuratorin und Autorin, arbeitet in Manila, Philippinen, und Singapur. War Kuratorin am Singapore Art Museum und am Lopez Museum in Manila. Ko-Kuratorin der 2. Singapur Biennale 2008.

(Text aus dem Kurzführer der Singapur Biennale 2008. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Veranstalters der Biennale. Aus dem Englischen: Haupt & Binder)

Dinh Q. Lê, Tran Quoc Hai und Le Van Danh

Die Bauern und die Hubschrauber. 2006
3-Kanal Videoinstallation. In Kooperation mit Ha Thuc Phu Nam und Tuan Andrew Nguyen.

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