Die immense Bedeutung, die die Azteken (1350-1521) dieser großen vorspanischen Metropole beimaßen, als sie viele Jahrhunderte nach dem Untergang Teotihuacans (650 n. Chr.) ihren eigenen Ursprungsmythos dorthin verlegten, zeugt von der großen Faszination, die seitdem – bis heute - von dort ausstrahlt.

Der erste deutsche Forscher, dem es vergönnt war, die Ruinenstätte von Teotihuacan zu besuchen, war Alexander von Humboldt im Jahr 1803. Er wusste als erster europäischer Reisender die Kultur der Indianer, vor allem die Zeugnisse ihrer damals noch wenig beachteten Vergangenheit, zu würdigen.

Die Berliner Teotihuacan-Sammlung wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert aufgebaut. Die meisten Objekte verdankt das Museum Eduard Seler, dem Begründer der Mexikanistik in Europa. Zwischen 1887 und 1910 unternahm er sechs Reisen nach Mexiko, auf denen er seine umfangreichen archäologischen Sammlungen zusammentrug. Seine Publikationen zu verschiedenen Aspekten der Teotihuacan-Kultur waren damals wegweisend. Der mexikanische Archäologe Ignacio Bernal befand Selers Werke als "auténticos ensayos culturales basados fundamentalmente en la interpretacion de piezas arqueológicas" (authentische kulturelle Schriften, die grundlegend von der Interpretation archäologischer Stücke ausgehen).

Die Objekte aus Teotihuacan, die am frühesten nach Berlin verbracht wurden, stammen aus der Sammlung von Ferdinand Conrad Seiffart, der Mitte des 19. Jahrhunderts Preußischer Generalkonsul in Mexiko war, sowie aus einer Sammlung, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von dem deutschen Kaufmann Carl Uhde angelegt worden war und 1862 nach Berlin kam.

Die Teotihuacan-Sammlung im Ethnologischen Museum Berlin gibt einen repräsentativen Überblick über das breite Spektrum der materiellen Hinterlassenschaften. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie sowohl sehr qualitätvolle Stücke der oberen Gesellschaftsschicht umfasst, als auch Alltagsware und fragmentarische Oberflächenfunde. Entsprechend sind viele charakteristische Typen des Kulturinventars vorhanden: von der Stuckvase, dem Theater-Räuchergefäß, der Wandmalerei, der Steinmaske, der Gliederpuppe, der Wirtsfigur, dem Architekturelement, der Fine Orange-Ware, den verschiedenen Keramiktypen, den Tonfiguren, dem Grünsteinschmuck und Obsidianklingen bis hin zu Alltagswaren und den zahllosen "cabecitas" (Tonköpfchen).

Wenngleich für viele Objekte detaillierte und präzise Fundortangaben fehlen, lässt sich ein Großteil der alten Berliner Teotihuacan-Sammlung im Vergleich mit aktuellen Forschungsergebnissen der jüngsten Grabungsprojekte interpretieren und in einen Funktionszusammenhang stellen.


Dr. Maria Gaida. Leiterin der Sammlung Mesoamerika, Ethnologisches Museum Berlin
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Ethnologisches Museum Berlin
Staatliche Museen zu Berlin
Lansstr. 8
14195 Berlin


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