The Fold

Abwesenheit, Verschwinden und Gedächtnisschwund im Schaffen von 12 iranischen Künstlern. Cab Art Center, Brüssel, April - Juni 2013. Kuratoren: M. Dewilde & A. Mahmoudian.
Jun 2013

Die Ausstellung The Fold (Die Falte), präsentiert im Cab Art Center in Brüssel bis zum 15. Juni 2013, erkundet solche Themen wie Abwesenheit, Verschwinden, Amnesie und die Bedeutung von Erinnern vor dem dem Hintergrund des modernen und zeitgenössischen Iran.

Inspiriert durch "Le Pli" (1988) des französischen Philosophen Gilles Deleuze wählten die Kuratoren Michel Dewilde und Azar Mahmoudian die Falte als Leitmotiv der Ausstellung. Darin funktioniert das Konzept der Falte in einer Vielzahl an Modalitäten, einschließlich des psychologischen, historischen und politischen Levels, und bietet interessante Ausgangspunkte für unterschiedliche Ebenen der Schau.

Zum Beispiel kombiniert sie die Idee einer Reihe von Handlungen und gleichzeitig einer Verheimlichung. Eine Falte kann offen oder geschlossen sein: sie entfaltet sich zur Welt hin oder verschließt sich. Gleichzeitig kann sie eine gewisse Dimension oder Art von Information verbergen, und sei es nur zeitweilig. Letzten Endes enthält die Falte das Vergehen von Zeit, kann auf Erinnerung oder auf deren Verlust hindeuten. Die Falte symbolisiert das Intervall, in dem Zeit aufgehoben ist, während ihre Ritzen oder Spalten auch auf ungesehene Dimensionen hindeuten. Der Begriff kann zu einem anderen Verständnis einer Beziehung zu sich selbst führen, einer Welt, in der das Innere und das Äußere oder Vergangenheit und Gegenwart nicht länger lokalisiert werden können.

In diesem hypermodernen Zeitalter erleben wir einen noch größeren Hype des Neuen, des Glaubens an unbegrenzten Fortschritt und die Rolle von Technologie sowie an die Bedeutung des Hier und Jetzt. Dieser Hunger auf sofortige Veränderungen führt zur Vernachlässigung der Erinnerung, der Vergangenheit und Geschichte: auf einer persönlichen Ebene führt das zu einer Entfremdung und zum Verlust des Selbst oder in größerem Maßstab zur Alteration des kollektiven Gedächtnisses. Aufzeichnungen, Fakten oder Erinnerungen sind eingefaltet und können schwerlich aktiviert werden. Angesichts der Tatsache, dass wir in der Lage sind, mehr Daten und Spuren der Vergangenheit als je zuvor aufzuzeichnen, zu speichern und auszuwerten, ist diese Situation ist ein ziemliches Paradox.

Die Falte kann sich auf verschiedene Bedingungen der Moderne beziehen: auf die wachsende Amnesie und das Verschwinden des Subjekts überhaupt. Letzten Endes finden wir das in dem Prozess modernistischer Urbanisierung mit seinen Zyklen des Austauschs oder der Zerstörung des Alten und Historischen. Schließlich bringt das seinen eigenen Protagonisten hervor: die Figur des verlorenen und gedächtnislosen Streuners.

Die Ausstellung The Fold favorisiert einen generationsübergreifenden Ansatz, wobei sie verschiedene ästhetische Positionen einander gegenüberstellt und vier Jahrzehnte Kunst des Iran umspannt. Beginnend mit der Moderne der 1960er Jahre kombiniert die Schau solche international anerkannten Künstlerinnen und Künstler wie Monir Shahroudy Farmanfarmaian, die ihre Laufbahn zu einer Zeit einer aufgepfropften Moderne begann, mit anderen, die im Ausland oder im Exil lebten und in den 1980er und frühen 1990er Jahren in Erscheinung traten, wie Chohreh Feyzdjou und Reza Abdoh. Diese Künstler werden mit Vertretern der jüngsten Generation wie Shirin Sabahi oder Mani Manzinani zusammengebracht. Die Ausstellung verbindet bereits existierende Kunstwerke mit ortsspezifischen Arbeiten von Parastou Forouhar, Homayoun Sirizi und Arash Hanaei. Die Benutzung der Spiegelung, der Reflektion, aber auch der Idee des Abwesenden, des Unsichtbaren, oder der gewünschten oder erzwungenen Amnesie und Entfremdung sind verbreitete Themen in den verschiedenen Kunstpraktiken.

 

(Aus Presseinformationen des Veranstalters.
Aus dem Englischen: Haupt & Binder)

The Fold

19. April - 15. Juni 2013

Cab Art Center
32-34 Rue Borrens
1050 Brüssel
Belgien
Website Email

Kuratoren:
Michel Dewilde und Azar Mahmoudian

Künstler:
Ahmad Aali
Reza Abdoh
Chohreh Feyzdjou
Parastou Forouhar
Barbad Golshiri
Arash Hanaei
Baktash Sarang Javanbakht
Mani Mazinani
Shirin Sabahi
Monir Shahroudy Farmanfarmaian
Kamran Shirdel
Homayoun Sirizi

Nafas
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