Universes in Universe

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Über das Projekt

Mit tief empfundener Hochachtung widme ich dieses Projekt den Frauen aus Ravensbrück, die in der Kunst Stärkung, Trost und ein geistiges Überleben suchten – für sich und für ihre Gefährtinnen. Ihre Gedichte, Zeichnungen, Miniaturen und liebevoll Handgefertigtes – Zeugnisse und Gaben die nicht vernichtet oder verloren gegangen sind – bringen uns den individuellen Schicksalen ihrer Schöpferinnen nahe und lassen uns dabei einen grundlegenden Wert von Kunst wieder bewusst werden: Als wesentliche Kraft, einen Menschen aufzurichten, Trost und Lebensbejahung auszudrücken. Diese Überzeugung brachte Dunya Breur, Tochter der Widerstandskämpferin und Künstlerin Aat Breur, die Ravensbrück überlebte, auf ergreifende Weise zum Ausdruck:

Die unansehnlichen kleinen Dinge, die von den Häftlingen in den Konzentrationslagern füreinander geschaffen wurden und die noch immer existieren, mögen manchem, der sie heute betrachtet, nichtig erscheinen: ein Anhänger, geschliffen aus einem Zahnbürstenstiel, ein besticktes Taschentuch, eine Brieftasche, handgenäht aus Sackleinen, ein Heft mit Versen und handschriftlichen Widmungen, ein kleiner Brief, geschrieben auf der Rückseite eines KZ-Formulars, ein holpriger Vers, mit einem Bleistiftstummel auf einem abgerissenen Stück vergilbten Papiers festgehalten.

Für alle, die nicht dort waren, ist ihr Wert wohl nicht messbar. Und die Situation, in der diese Geschenke entstanden, erst recht nicht. Der Hunger, das viehische Verhalten der Lagerleitung gegenüber den Häftlingen machte diese manchmal zu Tieren, zumindest zu Wesen, die nur noch wenig Menschliches an sich zu haben schienen. Die Frauen schienen ihren Namen vergessen zu haben, waren nurmehr eine Nummer, die ihnen die SS verpasst hatte. In ihrem Hohn über die ausgemergelten, in Lappen gehüllten Frauen, die wie Straßenhunde um ein Stück Brot kämpfen konnten, die noch im Abfall nach Essbarem suchten, hatte die SS die Bezeichnung 'Schmuckstücke' für sie erfunden - in Anlehnung an Dreckstück.

Sich gegenseitig zu stützen, hatte unter diesen Umständen eine unschätzbare Bedeutung. Und in diesem Sinne beschenkten die Frauen einander. Kunst wird zu einem Wert, der im täglichen Leben schon längst vergessen ist. Kunst erhält hier ihren eigentlichen Wert: als wesentliche Kraft, einen Menschen aufzurichten, Trost und Lebensbejahung auszudrücken. (Dunya Breur)

Danksagung

Mein herzlicher Dank gilt ganz besonders Constanze Jaiser für die Möglichkeit zur Einsicht in ihre Forschungen, die Bereitstellung von Texten, Tonaufnahmen und Materialien sowie die intensive Zusammenarbeit, ohne die dieses Kunstprojekt nicht möglich gewesen wäre.

Darüber hinaus danke ich allen, die mich bei der Realisierung unterstützt haben, vor allem dem Team der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück für die Nutzung der Bilddokumente; Gerhard Haupt für seine Anregungen, konstruktive Kritik und Unterstützung in der Produktion; Rebeccah Blum (1967 - 2020) für ihre einfühlsamen Übersetzungen der Gedichte ins Englische. Mein Dank gilt auch dem NAZ e.V. und Iris Wachsmuth.

Die Erstveröffentlichung von "Stimmen aus Ravensbrück" erfolgte im Jahr 2000, unterstützt durch das Förderprogramm Frauenforschung des Berliner Senats und durch die Daniel Langlois Foundation for Art, Science and Technology, Montréal.

Die Erarbeitung dieser neuen erweiterten Version wurde 2020-21 möglich durch Fördermittel der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung und der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Pat Binder, Berlin, April 2021