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The Red Gaze

Zilberman Gallery - Berlin

11. Oktober - 23. Dezember 2016

Kuratiert von A.S. Bruckstein Çoruh
siehe den kuratorialen Text

Ahmet Elhan | Memed Erdener a.k.a. Extramücadele | Erdem Gündüz (Text) | Ali Kaaf | Navid Kermani (Text) | Aisha Khalid | Şükran Moral | Erkan Özgen | Pablo Picasso (poem) | Imran Qureshi | Rebecca Raue | Sarkis | Arnold Schoenberg | Eşref Yıldırım


“Solange noch Kriege im Namen der Religion geführt werden, dürfen Künstler dazu nicht schweigen.”  -  Şükran Moral

The Red Gaze präsentiert Gemälde, Zeichnungen, Gedichte, Skulpturen, Film- und Audiokunst zum Thema des Zeugen, insbesondere zum Thema des Künstlers als Zeugen in Zeiten von Krieg und Gewalt.

Zwei Arbeiten der Klassischen Moderne, ein Selbstbildnis des Komponisten Arnold Schönberg (1944) und ein Gedicht von Pablo Picasso (1935) treffen auf eine beschädigte barocke Christusfigur aus dem 17. Jahrhundert, sowie zeitgenössische Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus Damaskus, Diyarbakır, Istanbul, Lahore, Wien und Berlin.

Schönbergs Selbstportrait von 1944 spiegelt die Schrecken unserer Zeit: der Künstler tritt als Zeuge irreparabler menschlicher Schäden auf, für die weder Kunst noch Religion Trost spenden. Pablo Picassos selten vorgetragenes Gedicht Die Ratten, sie mögen schmausen, wo sie wollen, das Paul Celan in seinem charakteristischen Duktus ins Deutsche übersetzt, stehen als Wand-Poesie neben sieben IKONEN des türkisch-armenischen Künstlers Sarkis. Zwei neue Arbeiten aus Rebecca Raues Serie zum New Yorker Metropolitan Museum, drei politische Skulpturen von Memed Erdener a.k.a. Extramücadele, sowie ein Video des türkischen Künstlers Erkan Özgen über einen taubstummen dreizehnjährigen Mimen aus einem Flüchtlingslager in Diyarbakır thematisieren das Thema der Gewalt und ihrer Zeugen.

„Ich bin nur ein kleiner Teil der Proteste. Ich bin nur ein Künstler. Ich bin niemand. Aber meine Ideen sind frei. Mein Herz ist frei. Mein Geist ist frei.“ Dies sind die Worte des türkischen Performance-Künstlers, Erdem Gündüz, der auch als duran adam, als „stehender Mann“ von Gezi bekannt wurde. Seine stille Protestaktion auf dem Taksim-Platz während der Gezi-Proteste 2013 fand tausende Nachahmer und wurde so zum Auslöser einer kollektiven Performance des Widerstands. In The Red Gaze wird die Pose des Künstlers als „stehender Zeuge“ mit zwei Werken aus Ahmet Elhans Serie Composed assoziiert, in der der Künstler eigene Aktfotografien mit Stichen osmanischer Interieurs aus dem 18. Jahrhundert unterlegt. Auch die flämische die barocke Skulptur vom Typus des Cristo vivo kommt neben die Worte des protestierenden Künstlers von Gezi zu stehen: „Ich bin nur ein Künstler“. Arme und Füße der Christusfigur sind unter unbekannten Umständen abgebrochen, was zu einer Betonung seines Aufrecht-Stehens führt, einer Figur Alberto Giacomettis nahe. Die Darstellung evoziert ein Martyrium der Zeugenschaft, weg vom Religiösen. Die Künstler aus The Red Gaze werden zu Zeugen unserer Zeit.

Zur Ausstellung The Red Gaze erscheint ein Katalog, herausgegeben von A.S. Bruckstein Çoruh zusammen mit Lotte Laub mit Beiträgen von Daniel Boyarin, A.S. Bruckstein Çoruh, Naz Cuguoğlu, Uwe Fleckner, Lotte Laub, Işın Önol & Tobias Nöbauer, Erkan Özgen und Sarkis. Die Ausstellung wird von einer öffentlichen Vortragsreihe begleitet.

Zilberman Gallery dankt für die Zusammenarbeit mit dem Arnold Schönberg Center, Wien, Belmont Music Publishers, der Sammlung Deutsche Bank, Grisebach ORANGERIE. Ausgewählte Objekte und Itinerant Interludes.

Zur Eröffnung von The Red Gaze am 08. Oktober präsentiert die Zilberman Gallery unter dem Titel ITINERANT INTERLUDE #82 ein eigens für die Ausstellung entworfenes Gesangsprogramm von Lore Lixenberg. Die Reihe ITINERANT INTERLUDES wird kuratiert von Laurie Schwartz und ermöglicht durch die Unterstützung der initiative neue musik berlin.

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Kuratorialer Text von A.S. Bruckstein Çoruh

Weitere Informationen und Abbildungen:
lotte(at)zilbermangallery.com


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