Geheimgesellschaften

Außer den Gesellschaften, die zu gewöhnlichen Vodou-Tempeln gehören, gibt es in Haiti auch Geheimgesellschaften. Diese verfügen über eine straffe Struktur und militärische Organisation und eigneten sich daher perfekt für die Maroon-Gemeinschaften – kleine Gruppen von Sklaven, die von den Plantagen geflohen waren. Von 1791 bis 1804 spielten diese Gesellschaften eine zentrale Rolle im Widerstand der Sklaven gegen die Franzosen. Der Kampf wurde sowohl mit handfesten, als auch mit magischen Waffen geführt, denn die Priester beschworen die aggressivsten, heißesten Mächte herauf. Im zwanzigsten Jahrhundert bedienten sich die Diktatoren François "Papa Doc" und Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier der Geheimgesellschaften, um Regimekritiker zum Schweigen zu bringen. Es gibt diese Gesellschaften noch heute, eine der wichtigsten ist der Bizango.

Bizango-Armee

Wesentlicher Bestandteil der Bizango-Gesellschaften ist ihre militärische Struktur. Die Mitglieder bekunden ihre Bereitschaft zu Kampf und Krieg. Fast alle hier ausgestellten Figuren stammen aus einem einzigen Tempel und verkörpern die Kraft der Bizango-Kämpfer. Ihr Furcht einflößendes Äußeres gemahnt noch heute an den Sklavenaufstand zu der Zeit, als diese Gesellschaften sich erstmals bildeten. Einige Bizango tragen Narben von Verletzungen.

Ihre Köpfe sind über echte Menschenschädel modelliert. Stricke und Ketten bändigen ihre Kraft. Spiegelfragmente in ihren Augenhöhlen und auf ihrer Kleidung versinnbildlichen die Geisterwelt und schützen vor bösen Mächten. Trotz ihrer unbeweglichen Haltung kann man das Blutvergießen, an dem sie teilhatten, und die Flammen, die einst um sie gelodert haben, greifbar spüren.

(Aus Texten in der Ausstellung in Berlin)

 

Ausstellungsrundgang

Vodou - Kunst und Kult aus Haiti. 350 Objekte aus der Sammlung von Marianne Lehmann in Port-au-Prince. Großer Foto-Rundgang durch die Präsentation in Berlin, 2010.

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