Über das Nafas Kunstmagazin

Fragt man Arabisch, Farsi, Urdu, Malay oder Indonesisch sprechende Menschen, was sie unter nafas verstehen, wird man annähernd die gleiche Antwort erhalten: Atem, Atemzug, Hauch. Eine Abwandlung gleichen Ursprungs ist das türkische nefes. Das Wort erscheint in vielfältigen Kombinationen und Nuancen, meist offenbar in positiven Zusammenhängen. Nafas kann im Sinne von "einen langen Atem haben" auftreten, also Schwierigkeiten beharrlich durchzustehen, und auch eine erfrischende Brise sein, etwas das Qualen lindert. Wenn jemand bestimmte Tätigkeiten besonders gut verrichtet, z.B. hervorragend kocht, heißt es, er oder sie hätte nafas - Talent, eine besondere Art, einen persönlichen Stil auf diesem Gebiet. Gelegentlich wird nafas mit der Bedeutung von Freiheit assoziiert, so im Sufismus, einer mystischen Strömung des Islam. Die Wurzel des Wortes ist nafs, was im Arabischen Selbst oder Seele bedeutet und als die dynamische Kraft gilt, die dem Körper bei der Geburt eines Menschen eingehaucht wird.

Wegen solcher Konnotationen und der Präsenz in derart vielen Kulturen der islamisch geprägten Welt wurde Nafas als Titel und Metapher für das Konzept und den Rahmen dieses Projekts gewählt. Von besonderer Bedeutung war dabei, dass das Wort etymologisch eng mit der Existenz des Einzelnen verbunden ist und sich einige seiner Ableitungen direkt auf das kreative Schaffen übertragen lassen.

Das Online-Magazin soll zu einem tatsächlichen Dialog der Kulturen beitragen, verstanden als die Kommunikation zwischen Individuen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die sich gegenseitig selbstbestimmte und auch wandelnde Identitäten zugestehen und diese nicht als starre Konstrukte aus der bloßen Herkunft des Anderen ableiten. Das setzt neben grundsätzlicher Dialogbereitschaft ein bestimmtes Wissen voneinander voraus.

Besonders interessiert die Herausgeber, wie Künstlerinnen und Künstler mit ihren spezifischen Mitteln auf gesellschaftliche Verhältnisse und alltägliche Lebensumstände reagieren, wie sie diese kritisch reflektieren, wie ästhetische und politisch-soziale Dimensionen ineinander greifen, wie nach Kunst- und Gesellschaftsmodellen gesucht wird, die eigenen Ansprüchen gerecht werden könnten, und welche aktuellen, experimentellen Kunstpraktiken dabei genutzt und entwickelt werden.

Die Basis dieses Projekt ist eine direkte Zusammenarbeit mit den Akteuren des Kunstgeschehens selbst, um das es in diesem Magazin geht, sowie mit Spezialisten in aller Welt. Die Herausgeber sehen sich dabei in einem fortwährenden Lernprozess, an dem möglichst viele teilhaben sollen.

Dieses Online-Magazin ist strukturell und konzeptionell mit dem Internet-Projekt Universes in Universe - Welten der Kunst verbunden. Das umfangreiche Portal für die visuellen Künste Afrikas, der Amerikas und Asiens im Kontext internationaler Kunstprozesse und des Kulturaustauschs wird bereits seit Anfang 1997 von Pat Binder und Gerhard Haupt veröffentlicht. Der Name bezieht sich u.a. auf die viel beschworene Gefahr der fortschreitenden Homogenisierung einer "Global-Kultur" und weist Ansprüche von Vertretern einzelner Kulturen auf alleinige Gültigkeit als universales Kunst- oder Modernitätsmodell zurück. "Universum" bedeutet "Ganzheit aller Teile". In diesem Sinne erinnert Universes in Universe daran, dass jedes dieser Teile (mit dem Individuum als kleinster Einheit) wiederum ein von vielfältigen kulturellen und individuellen Elementen bestimmtes "Universum" für sich ist, dessen Eigenarten bei aller Vernetzung und wechselseitigen Beeinflussung akzeptiert und respektiert werden müssen.

Die Herausgeber

Herausgeber, Redaktion:
Dr. Gerhard Haupt und Pat Binder

Kontakt:
Binder & Haupt
Heilbronner Straße 3
D-10779 Berlin
Email: contact(at)universes.art

 

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Von 2003 bis 2016 realisiert als ein Projekt des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in Kooperation mit Universes in Universe, gefördert vom Auswärtigen Amt.

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