Indonesische Kunst in Frankfurt 2015

Ausstellungen und Veranstaltungen visueller Kunst, Architektur und Performancekunst im Kontext von Indonesien als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2015.
Sep 2015

Im Kontext von Indonesien als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2015 findet in den Frankfurter Museen und Institutionen ein umfangreiches Programm von Kunst- und Kulturveranstaltungen statt.

Hier sind die Ausstellungen und Veranstaltungen zu visueller Kunst, Architektur und Performancekunst zusammengefasst (ausgehend von der offiziellen Presseinformation), ergänzt durch Links zu Artikeln über die zeitgenössische Kunst Indonesiens, die wir in Nafas seit 2003 veröffentlicht haben:

Tropicality Revisited
Neue Ansätze indonesischer Architekten
DAM - Deutsches Architekturmuseum
29. August - 22. November 2015
Im DAM werden anlässlich des Ehrengastauftritts Indonesiens auf der Frankfurter Buchmesse neue Ansätze indonesischer Architekten für eine klimatisch adaptierte Architektur vorgestellt. Architektur war in den Tropen nie nur auf den Schutz vor Regen und Sonne beschränkt. Mit dem Aufstieg der Moderne in der Architektur hatte die tropische Architektur plötzlich eine globale Relevanz und wurde für alle Klimazonen und Kulturen adaptiert. In der Nachkriegszeit erlangte die Wissenschaft eines klimatisch angepassten Bauens internationalen. Für viele Generationen indonesischer Architekten waren die Tropen aber keine romantische Kolonie, sondern harte Realität mit sintflutartigen Regenfällen, Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. Heute wird die tropische Architektur häufig von verglasten und klimatisierten Hochhäusern oder den gefeierten Entwürfen für Touristenresorts publizistisch in den Schatten gestellt. Denn sie wird als selbstverständlich betrachtet mit ihren Steildächern und Dachüberständen. Dennoch ist sie für viele Architekten eine Herausforderung, neue Lösungen zu finden. In Zeiten des Klimawandels und der Energiekrisen feiert die klimatisch adaptierte Architektur nun ein triumphales Comeback. Diese Ausstellung bietet einen Überblick über neue Ansätze in Indonesien.

DAM - Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main
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Root. Indonesian Contemporary Art
Frankfurter Kunstverein
26. September - 10. Januar 2016
Drei der bekanntesten Künstler und Künstlerkollektive der jüngeren Generation, Jompet Kuswidananto, Eko Nugroho und Tromarama sind mit umfangreichen Einzelpräsentationen und neuen Arbeiten in den Innenräumen des Frankfurter Kunstvereins vertreten. Joko Avianto bespielt die Fassade mit einer spektakulären Bambusinstallation.

Indonesien zählt zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt und vereint auf seinem über 17.000 Inseln umfassenden Archipel viele unterschiedliche Ethnien, Sprachen, Religionen und kulturelle Einflüsse. Unter der knapp 350 Jahre währenden Kolonialherrschaft der Niederlande, erfuhr die indonesische Kultur bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts starke soziokulturelle Umwälzungen hin zur Moderne westlicher Ausprägung. Gefolgt von einer längeren Phase politischer Unabhängigkeitsprozesse und Instabilität wirkt sich diese bis in die heutige Zeit als Spannung in der Gesellschaft aus.

Die vier ausstellenden Künstler zählen zu einer Generation, die eine Zeit wichtiger politischen Reformen und grundlegender sozialer und politischer Veränderungen in der zeitgenössischen Gesellschaft unmittelbar erlebt hat. Sie sind einerseits Teil dieser 1998 eingeleiteten Epoche des Übergangs und nehmen gleichzeitig in ihren künstlerischen Ansätzen einen kritischen Standpunkt zu ihr ein. Ihre Kunstwerke veranschaulichen kurzfristige Wandlungsprozesse innerhalb einer tief verwurzelten soziokulturellen Tradition, die von Spannungsverhältnissen zwischen Traditionalismus und Moderne, zwischen Nationalität und Internationalität, zwischen lokaler Verbundenheit und Globalisierung und zwischen Universalität und Pluralität geprägt ist.

Kuratoren:
Asikin Hasan, Rizki A. Zaelani, Franziska Nori
Teilnehmer:

Joko Avianto
* 1976 Yogyakarta, Indonesien; lebt dort.
Jompet Kuswidananto
* 1976 Yogyakarta, Indonesien; lebt dort.
Eko Nugroho
* 1977 Yogyakarta, Indonesien; lebt dort.
Tromarama
Grgündet 2004 von Febie Babyrose (* 1985 Jakarta), Herbert Hans Maruli (* 1984 Jakarta) und Ruddy Alexander Hatumena (* 1984 in Bahrain), alle leben in Bandung.

Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
60311 Frankfurt am Main
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Siehe dazu in Nafas:

Jompet: Java's Machine
Der indonesische Künstler Jompet Kuswidananto über seine Installation "Java's Machine: Phantasmagoria".
Eko Nugroho: A Wrap of Heart in Freezer
Wayang Kulit Performance (Schattenpuppentheater), basierend auf Nugrohos Comicfiguren. Von Alia Swastika.
Tromarama: Serigala Militia
Video für die Trash Metal Band Seringai aus Jakarta, eine Animation aus 450 einzelnen Holzschnitten. Von Joselina Cruz.

 

Beyond Transisi
Fotografien, Multimedia und Bücher aus Indonesien
Fotografie Forum Frankfurt
1. Oktober - 15. November 2015
Die Ausstellungspremiere von "Beyond Transisi" (Transitition) stellt die einflussreichsten Fotokünstlerinnen und Fotokünstler vor, die heute in Indonesien arbeiten. Als das größte Archipel der Welt bietet Indonesien abwechslungsreiche Mikrokosmen, die eine Vielzahl von globalen Themen repräsentieren: reiche kulturelle Diversität, Umwelt- und Naturkatastrophen, die weite Schere zwischen Armut und Reichtum, Einwanderung, industrielle Entwicklung und Immobilien-Ausbau, Bevölkerungsexplosion und Abgelegenheit. Für welche Aussagen entscheiden sich die Künstler, die sie in Ihren Werken vermitteln, von außerhalb des Paradieses oder über die bekannten Katastrophenmeldungen hinaus? Wie präsent ist die aktuelle oder vergangene Geschichte in ihren Werken? Jeder Fotograf zeigt einen individuellen Zugang zu der gewählten Thematik. Von der dokumentarischen Tradition bis hin zu surrealen Bildsprachen, verfolgen die Künstlerinnen und Künstler eine Erweiterung von visuellen Interessen mithilfe von Literatur, Büchern und digitalen Medien.

Die Ausstellung präsentiert u.a. Octa Christi, Muhammad Fadli, Kemal Jufri, Paul Kadarisman, Fanny Octavianus, Ari Setiadi, Rony Zakaria.

Fotografie Forum Frankfurt
Braubachstrasse 30-32
60311 Frankfurt am Main
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Arahmaiani: Violence No More
Retrospektive Ausstellung der indonesischen Künstlerin
Haus am Dom
12. - 15. Oktober 2015
Die indonesische Künstlerin Arahmaiani ist bekannt für Performances, soziale Skulpturen, Installationen und großflächige Gemälde, body art und poetische Texte.

Die Frankfurter Ausstellung "Violence No More" steht unter dem Motto "Waking up – Growing up". Aufgeweckt wurde ARAHMAIANI als junge Künstlerin durch die brutalen Unterdrückungsmethoden der Militärdiktatur Indonesiens sowie durch die aggressive kulturpolitische Einmischung radikal-islamischer Gruppen in ihrer Heimat, die ihre Ausstellungen stürmten und ihr Gewalt androhten. Gewachsen ist sie am Bewusstsein, dass eine Künstlerin eintreten muss für die Rechte von Frauen, von Minderheiten, von ökonomisch und sozial marginalisierten Gruppen. Hier liegt der Anknüpfungspunkt zur TRILOGI JAWA von Ascan Breuer, die bei der Vernissage und im Filmmuseum präsentiert wird. Für ARAHMAIANI war die Erkenntnis richtungsweisend, dass alle gesellschaftlichen Veränderungen nichts sind, wenn sie nicht gleichzeitig das ökologische Erbe des Planeten zum Nutzen aller erhalten. ARAHMAIANI knüpft damit an die indonesische Vorstellung der Einheit alles Seienden an. In der großen spirituellen Tiefe ihres Denkens und ihrer Arbeiten sind gesellschaftliche und kosmische Entwicklungszustände untrennbar miteinander verknüpft. Dies wird erst in jüngster Zeit verstärkt wahrgenommen und thematisiert.

Kurator: Dr. Werner Kraus (Center for Southeast Asian Art, Passau)

Organisation: Gunnar Stange (Goethe-Universität), Lisa Straßberger (Katholische Akademie Rabanus Maurus,Haus am Dom, Frankfurt).

 

Haus am Dom
Domplatz 3
60311 Frankfurt
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Siehe dazu in Nafas:

Arahmaiani
Aufzeichnungen nach einem Interview mit der sozial engagierten Künstlerin, einer Schlüsselfigur der aktuellen Kunstszene Indonesiens. Von Pat Binder & Gerhard Haupt.

 

Indonesia LAB
Festival of Contemporary Arts – Music Dance Performance Visual Arts
6. - 15. Oktober 2015
Mit dem Indonesia LAB gehen die sechs Partner des Frankfurt LAB – das Ensemble Modern, das Künstlerhaus Mousonturm, die Städelschule und Portikus, die Hessische Theaterakademie, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und die Forsythe Company außergewöhnliche Wege. Die renommierten Kulturinstitutionen haben gemeinsam mit dem Goethe-Institut Indonesien und der KfW Stiftung Projekte in den Bereichen Musik, Tanz, Performance und Bildende Kunst initiiert, die herausragende Künstler aus Indonesien und Deutschland zur Zusammenarbeit einladen. Seit ca. zehn Monaten stehen Komponisten, Musiker, Tänzer und bildende Künstler aus beiden Ländern in einem regen Dialog. Bei Arbeitstreffen vor Ort in Indonesien und Deutschland, aber auch virtuellen, entwickeln sie gemeinsame Konzerte, Tanzperformances, Ausstellungen und Interventionen, die während eines zweiwöchigen Festivals kurz vor und während der Buchmesse zur Uraufführung kommen. Im Anschluss daran werden einige Projekte auch im Rahmen der Deutschen Saison in Indonesien präsentiert. Indonesia LAB lädt ein, an einmaligen Begegnungen teilzuhaben, herausragende Künstler verschiedener Generationen aus Indonesien und Deutschland kennenzulernen und neue Perspektiven auf das Verhältnis von zeitgenössischer Kunst und Gesellschaft im globalen Kontext zu entwickeln.

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Ade Darmawan: Magic Centre
Portikus
19. September - 15. November 2015
Im Rahmen des Indonesia LAB präsentiert der Portikus die erste institutionelle Einzelausstellung des indonesischen Künstlers Ade Darmawan in Deutschland zu präsentierten. Darmawan, der als Kurator und Künstler arbeitet, ist auch Gründungsmitglied des indonesischen Künstlerkollektivs ruangrupa, welches sich innerhalb der visuellen Künste mit den soziokulturellen Entwicklungen einer urbanen Gesellschaft beschäftigt. In seiner Ausstellung "Magic Centre" im Portikus stellt Ade Darmawan das gleichnamige Verlagshaus aus Indonesien in den Mittelpunkt, das vor allem in den 1960er Jahren aktiv war. Diese Jahre waren geprägt von einer nationalistischen Regierung und der Propaganda Sukarnos, des damaligen Präsidenten. Bekannt wurde der Verlag durch Publikationen, die zur Verbesserung der eigenen intellektuellen Fähigkeiten dienen sollten. Hypnose, die Kunst der Magie und das Okkulte waren Themen der Druckerzeugnisse, die später vor allem von amerikanischen Verlegern übersetzt wurden. Die Bücher selbst sollten "Antworten" liefern, wenn es darum ging, ein erfülltes Leben zu führen und den modernen Kapitalismus erfolgreich zu meistern. Sie spiegeln dabei die Produktion und Verteilung von Wissen wider und heben die ideologische Problematik hervor, die für diese Zeit der Umbrüche und die damalige Gesellschaft typisch war. Für seine Ausstellung im Portikus bedient sich Ade Darmawan des Inhalts der einzelnen Publikation von "Magic Centre", die er über die letzten Jahre zusammengetragen hat und arrangiert diese mit anderen gefundenen Objekten zu einer Installation. Die Ausstellung erinnert dabei an einen Messestand und schlägt die Wiedergeburt des indonesischen Verlagshauses vor.

Ade Darmawan (*1974) lebt und arbeitet in Jakarta als Künstler, Kurator und Direktor von ruangrupa. Er studierte am Graphic Art Department des Indonesia Art Institutes (I.S.I). Ein Jahr nach seiner ersten Einzelausstellung in der Cemeti Contemporary Art Gallery, Yogyakarta im Jahr 1997 zog Darmawan für eine zweijährige Residenz an der Rijksakademie Van Beeldende Kunsten nach Amsterdam. Im Jahr 2000 gründete er mit fünf anderen Künstlern die Künstlerinitiative ruangrupa.

 

Portikus
Maininsel, Alte Brücke 2,
60594 Frankfurt am Main
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ART LAB 1
ruangrupa und contact Gonzo
6. - 12. Oktober
Künstlerhaus Mousonturm und Stadtraum Frankfurt
Im Rahmen des Indonesia LAB treffen erstmals zwei der innovativsten Künstlerkollektive Asiens aufeinander. Das Kollektiv ruangrupa, ein Zusammenschluss von bildenden Künstlern, Grafikdesignern, Comiczeichnern, Filmemachern und Performancekünstlern prägt mit seinen Festivals, Ausstellungs- und Forschungsprojekten seit fünfzehn Jahren die alternative Kunstszene Indonesiens und ist auf führenden Kunstbiennalen der Welt vertreten. Als Aktionsfläche und Laboratorium dient ruangrupa die Stadt, vor allem die Mega-City Jakarta und ihr rapider Wandel. Die Künstler interessieren sich besonders für das Alltägliche, für urbane Rituale und populäre Bräuche wie in Hinterzimmern produzierte Musikvideos, improvisierte Filmscreenings oder illegale Flohmärkte, mit denen sich Menschen in der Stadt orientieren und sie zugleich prägen. Das Performancekollektiv contact Gonzo aus Osaka teilt mit ruangrupa die große Leidenschaft für alles Abwegige und Populäre. Mit ihren Performances, einer wilden Mischung aus Contact Improvisation, Martial Arts, Konzeptkunst und der Gonzo-Ästhetik von Hunter S. Thompson haben sie sich durch öffentliche Räume, Theater und Museen auf der ganzen Welt gerauft. Nun machen sie zusammen mit ruangrupa am Mousonturm Station. Von dort aus gehen die Künstler aus Indonesien und Japan auf die Suche nach den Sitten und Bräuchen, die Frankfurt prägen und nach versteckten Narrativen, die Menschen in Jakarta, Osaka und Frankfurt verbinden. In der Woche vor der Buchmesse präsentieren sie ihre Forschungsergebnisse in verschiedenen Workshops, Performances und Aktionen in und um den Mousonturm.

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Siehe dazu in Nafas:

ruangrupa. Alternativer Raum & Kulturanalyse
Künstlergruppe und alternativer Kunstraum in Jakarta. Interview mit dem Leiter Ade Darmawan. Von Hendro Wiyanto.

 

Mehr über indonesische Kunst in Nafas und UiU:

Indonesien - Länderarchiv
Alle seit 2003 veröffentlichten Artikel
UiU Künstlerindex: Indonesien
Links zu Artikeln, Informationen, Bildseiten aller Künstlerinnen, Künstler und Gruppen aus Indonesien in Nafas und UiU

Indonesien - Gastland der
Frankfurter Buchmesse
14. - 18. Oktober 2015

Ausstellungen und Veranstaltungen visueller Kunst, Architektur und Performancekunst in Frankfurt


Siehe auch:

07
Der Frankfurter Kunstverein präsentiert Arbeiten von Joko Avianto, Jompet, Eko Nugroho und Tromarama, die für die Ausstellung vor Ort realisiert wurden. 26. Sept. 2015 - 10. Jan. 2016.
01 Riyadi
40 Werke von 16 indonesischen Künstlern aus 3 Generationen bei ARNDT Berlin, 27. April - 1. Juni 2013. Kuratorialer Text, Fototour.
01-135 Taman Budaya
Equator #2. Indonesien trifft die arabische Region. Leitung: Farah Wardani. Kuratoren: Agung Hujatnikajennong, Sarah Rifky; Nov. 2013 - Jan. 2014.
04 Yee I-Lann
Elf Künstler reflektieren über die Rolle der Van Loons in der holländischen Ostindien-Kompanie. Museum Van Loon, Amsterdam; Kurator: Thomas Berghuis.
Die Gründer N. Adipurnomo und M. Jaarsma über ihr Konzept und Probleme in der Kunstszene Indonesiens.
01 Prilla Tania
Identitätsfindung im Hyper- kulturraum. Ein indonesisch- deutsches Austauschprojekt.
07 Bayu Widodo
Indonesische Mythologien. Rezension der Ausstellung im Espace culturel Louis Vuitton, Paris.
04
Eines der wichtigsten Kunstzentren Indonesiens. Interview mit Kurator Agung Hujatnikajennong.
Nafas
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