Art Dubai 2015: Marker - Lateinamerika

In diesem Jahr ist die Sektion Marker der Art Dubai auf Lateinamerika und die historischen und aktuellen Verbindungen zwischen dieser Region und der arabischen Welt fokussiert.
Mär 2015

Die Sektion Marker soll "die Rolle der Art Dubai als Messe der Entdeckungen und Ort für intellektuellen Austausch" betonen. Das kuratierte Programm in den Hallen für zeitgenössische Kunst ist jedes Jahr einer anderen Region gewidmet, die von den Veranstaltern international oder zumindest in der Golfregion für unterrepräsentiert gehalten wird. Bisher waren das Indonesien (2012), Westafrika (2013) sowie Zentralasien und der Kaukasus (2014). In diesem Jahr stand Lateinamerika im Fokus von Marker.

Tatsächlich war Kunst aus jenem riesigen Teil der Welt in Dubai bislang eher wenig präsent. Allerdings sind in der Sharjah Biennale, nur knapp 40 km von den Messehallen der Art Dubai entfernt, in den letzten 10 Jahren durchaus viele Künstlerinnen und Künstler aus Lateinamerika vertreten gewesen, immer wieder auch mit großen ortsspezifischen Projekten. Allein 2013 waren es zwölf, darunter bestens bekannte wie Ernesto Neto, Gabriel Orozco, Pedro Reyes und Francis Alÿs. Auch an der diesjährigen Sharjah Biennale (bis 5. Juni 2015) sind wieder sechs Lateinamerikaner beteiligt. Zu ihnen gehört der Argentinier Adrián Villar Rojas, der die ehemalige Eisfabrik in Kalba an der Ostküste von Sharjah in ein riesiges Gesamtkunstwerk umgewandelt hat.

Man konnte also gespannt sein, wie Kunst aus Lateinamerika in dem engen Rahmen der Marker Sektion in der Art Dubai gewürdigt und vermittelt werden sollte. Die Kuratorin Luiza Teixeira de Freitas hat das in den Vorjahren bewährte Prinzip der Präsentation einzelner Kunsträume aufgegeben. Jeglicher Versuch eines repräsentativen Querschnitts verbot sich natürlich von selbst. Deshalb richtete sie ihre kuratoriale Absicht explizit darauf, Verbindungen zwischen Lateinamerika und der arabischen Welt "von hunderten Jahren Migration bis zu heutigen Handelsbeziehungen über gemeinsame Sensibilität und künstlerische Ansätze" aufzuzeigen. Allerdings schränkte sie in der Pressekonferenz gleich ein, um dergleichen bewältigen zu können, hätte sie drei Jahre Forschung benötigt…

Auch andere Äußerungen ließen Zweifel an der Qualifikation der Kuratorin für dieses Projekt aufkommen. So schwärmte sie von dem Highlight ihrer ausgedehnten Recherchereisen, auf das sie in Kolumbien in "the small town" Cali gestoßen sei (mit 2,7 Millionen Einwohnern ist Cali größer als Dubai). Dort hat sie Lugar a Dudas besucht, eines der wichtigsten unabhängigen Kunstzentren Lateinamerikas, und sei total begeistert gewesen, als man ihr "in the middle of nowhere" Falafel anbot. Deshalb lud sie den dortigen Falafel-Stand (und nicht etwa das international agierende Kunstzentrum) als Beleg für einen lateinamerikanisch-arabischen Kulturaustausch nach Dubai ein.

In Marker 2015 hat sicher das Performanceprogramm von María José Arjona die größte Aufmerksamkeit gefunden. Die kolumbianische Künstlerin arbeitete bei der Inszenierung von Performances direkt mit in Dubai lebenden Studenten zusammen und agierte in der Messe sehr aktiv als Vermittlerin. Auch die gut durchdachten Programme für Sound und Video sind von anderen Kuratorinnen und Künstlerinnen konzipiert worden.

Den größten Raum nahm die von Teixeira de Freitas selbst zusammengestellte Schau Building Imaginary Bridges Over Hard Ground ein, "that brings together works that in some way–whether intentional or not–build bridges and make connections between Latin America and the Arab World". Obschon darin Arbeiten interessanter Künstler versammelt waren, machte die Ausstellung insgesamt den Eindruck eines Sammelsuriums, und die angeblichen Bezüge zur arabischen Welt erfuhr man nur in den wenig plausiblen und mitunter geradezu absurden Behauptungen der Kuratorin bei ihren Führungen. Ansonsten waren lediglich die Namen der Künstlerinnen und Künstler mit Bleistift an die Stellwände geschrieben, in der Messe selbst gab weder Exponatschilder noch irgendwelche Kontextinformationen. Der Katalog war bis zu unserer Abreise noch nicht geliefert worden.

Es muss bezweifelt werden, dass die Art und Weise, wie Kunst aus Lateinamerika in dieser Edition von Marker präsentiert wurde, wesentlich dazu beigetragen hat, das Interesse und die Wertschätzung dafür zu erhöhen.

>> Fotorundgang
(ohne Werkangaben und Erläuterungen, ganz so wie in der Ausstellung)
Gerhard Haupt und Pat Binder
Chefredakteure des Nafas Kunstmagazins
Herausgeber von Universes in Universe - Welten der Kunst
Hier eine Übersicht über das Marker Programm 2015:

Group exhibition

A salon-style presentation of painting, drawing and sculpture by more than 15 Latin American artists. Galleries and institutions from across Latin America have been invited to participate and are loaning work for this group show.

Publishing

Tijuana (São Paulo, Brazil) & The State (Dubai, UAE) will co-present a selection of books created by independent and artist-run publishers from the Arab world and Latin America, many of which are rarely accessible in the Gulf.
This section of Marker draws artists’ books and indie publishers into the heart of the fair for the first time. The programme offers audiences the opportunity to make connections and explore publications which draw on the complex history and contemporary reality of Latin America and its connections to the Arab world.
Film and Video

Videobrasil, the São Paulo-based association, directed by Solange Farkas, that fosters and produces art and film across the geopolitical South, takes over the Art Dubai Cinema with a specially curated selection of films from their archive accompanied by artist talks.

Performance

María José Arjona (Colombia) has conceived a special project which investigates the history of performance and commercialization of performance-based works. Subject-Object delineates a relationship between the body and the world, where subjectivity as we understand it, is transformed into a plane or site specific territory from where to relate to something located outside of it. The body conceived as connector, generates different narratives and poetics, always thriving to multiply its capacity to create, react and enact.
Actors and students from the UAE will be selected and taught by Arjona to re-enact the works at Art Dubai, each day of the fair.
Sound

Marina Buendia (Brazil) and María Quiroga (Colombia) invite sound artists, including Mario García Torres (Mexico), whose work can be listened to on specially designed chairs by Nicolás Robbio (Argentina, lives in Brazil).


Beyond Marker, the ‘Latin American spirit’ spreads throughout the fair. Several galleries within the Contemporary halls have opted to showcase artists from the continent, while in the not-for-profit Projects programme, Maria Thereza Alves (Brazil) participates in Art Dubai Commissions.

La Ene - Nuevo Museo Energía de Arte Contemporáneo (Buenos Aires, Argentina) collaborates on a pop-up project in Dubai with Delfina Foundation.

Weitere Informationen, siehe bitte
- Art Dubai 2015 in Nafas, und die
- offizielle Website

Art Dubai
18. - 21. März 2015

Marker
Kuratorin: Luiza Teixeira de Freitas

Ort:
Madinat Jumeirah
Al Sufouh Road, Umm Suqeim

Art Dubai
PO Box 72645
Vereinigte Arabische Emirate
Website Email


Siehe auch:

01-135
18. - 21. März 2015, Madinat Jumeirah, Dubai. Informationen im Überblick und Fotorundgang durch die zeitgenössische und moderne Sektion, die Projekte und Programme.
24
Bekannte Künstler aus Brasilien und dem Libanon sind in dem Programm von Videobrasil in Marker, Art Dubai 2015, vertreten.
01-135
Luis Camnitzer und Hassan Sharif sind die Gewinner der 1. Edition des Preises, verkündet auf der Art Dubai 2012.
Nafas
Zurück nach oben