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Seeing is believing

Arbeiten von 22 Künstlern, die medialen Bildern andere Bilder entgegensetzen. Gezeigt in KW Berlin. Kuratorin: Susanne Pfeffer.
Sep 2011

Die Bilder eines Terroranschlages können live verfolgt werden und gehen innerhalb von Sekunden um die Welt. Im UN-Sicherheitsrat wird ein Wandteppich mit Guernica-Motiv verhüllt, um bald darauf ein Satellitenfoto als zentrales Argument in der Legitimierung eines Krieges zu präsentieren. Bilder einer Exekution werden live ins Weiße Haus übertragen, doch kein Foto gelangt an die Öffentlichkeit.

Rasant und unmittelbar verbreiten sich Bilder; sie erscheinen als einzige Zeugnisse, die uns ein Ereignis glaubhaft und erfahrbar machen können. Seeing is believing – und dennoch übersteigen Bilder unsere Vorstellungskraft sowie unseren Glauben an die Wirklichkeit. Die Erkenntnis, dass Bilder nicht einfach Repräsentanten außermedialer Wirklichkeit sind, sondern eigene Realitäten erschaffen, ist mittlerweile integraler Bestandteil zeitgenössischer Bildkompetenz. Die visuelle Gegenwärtigkeit politischer Ereignisse, die Politisierung von Bildern sowie die unkontrollierbare Geschwindigkeit ihrer Verbreitung haben in der gegenwärtigen Kunst zu einem konzentrierten Nachdenken über Macht und Status des Bildes geführt.

Die Gruppenausstellung Seeing is believing zeigt Arbeiten, die diesen medialen Bildern dennoch Bilder entgegensetzen. Im Zentrum der Ausstellung in den KW Institute for Contemporary Art in Berlin steht die künstlerische Reflexion über das Bild selbst, über die Medien und Kontexte, die es hervorbringen, und den Umgang mit dem Bild in Politik und Gesellschaft. Dabei ist die doppelte Repräsentation häufig die konzeptuelle Voraussetzung der Werke – eine Genese von Bildern, die wiederum auf bereits existierende Bilder verweisen. Vorherrschende Wahrnehmungs- und Repräsentationsregime sowie die dem Bild eingeschriebene symbolische oder manipulative Kraft werden in den Arbeiten reflektiert, überhöht, gänzlich negiert oder ad absurdum geführt: Ein Foto, das zur Legitimation eines Krieges diente, nimmt reale Formen an (Iñigo Manglano-Ovalle). Ein Nachrichtensender zeigt Bilder eines ungezwungenen und scherzenden amerikanischen Präsidenten unmittelbar vor seiner weltweit ausgestrahlten Kriegserklärung (Gianni Motti). Die Kamera tastet sich an den Wänden einer Wohnung entlang, im Hintergrund erklingt Madonna, jenseits dieses geschlossenen Raums ist Krieg (Nadim Asfar). Der letzte Film vor Verschleppung und Verschwinden eines Menschen wird zum abstrakten Raum der Vorstellung von Krieg und Leben (Joana Hadjithomas und Khalil Joreige).

Teilnehmer:

Adel Abdessemed
* 1971 Constantine, Algerien. Lebt in Paris, Frankreich, und New York, USA.

Abbas Akhavan
* 1977 Teheran, Iran. Lebt in Toronto, Kanada.

Kenneth Anger
* 1927 Santa Monica, USA.

Nadim Asfar
* 1976 Beirut, Libanon.

Taysir Batniji
* 1966 Gaza, Palästina. Lebt in Paris, Frankreich.

Adam Broomberg und Oliver Chanarin
Adam Broomberg: * 1970 Südafrika.
Oliver Chanarin: * 1971 Vereinigtes Königreich.
Leben in London, Vereinigtes Königreich.

Paul Chan
* 1973 Hongkong, China. Lebt in New York, USA.

Zeyad Dajani
* 1968 Dublin, Irland; palästinensischer Herkunft.

Anita Di Bianco
* 1970 New York, USA. Lebt dort und in Berlin, Deutschland.

Joana Hadjithomas & Khalil Joreige
Beide * 1969 Beirut, Libanon. Leben in Paris, Frankreich, und Beirut.

Khaled Hourani
* 1965 Hebron, Palästina. Lebt in Ramallah, Palästina.

Iman Issa
* 1979 Kairo, Ägypten. Lebt in New York, USA.

Alfredo Jaar
* 1956 Santiago de Chile. Lebt in New York, USA.

Nedim Kufi
* 1962 Bagdad, Irak. Lebt in Kairo, Ägypten, und Amersfoort, Niederlande.

Iñigo Manglano-Ovalle
* 1961 Madrid, Spanien. Lebt in Chicago, USA.

Gianni Motti
* 1958 Sondrio, Italien. Lebt in Genf, Schweiz.

Adrian Paci

* 1969 Shkoder, Albanien. Lebt in Mailand, Italien.

Walid Sadek
* 1966 Beirut, Libanon; lebt dort.

Taryn Simon
* 1975 New York, USA; lebt dort.

Sean Snyder
* 1972 Virginia Beach, USA. Lebt in Berlin, Deutschland.

Hito Steyerl
* 1966 München, Deutschland. Lebt in Berlin, Deutschland.

Akram Zaatari

* 1966 Saida, Libanon. Lebt in Beirut, Libanon.
 

© Text: Presseinformation
© Fotos: Haupt & Binder

Das Nafas Kunstmagazin dankt Kuratorin Susanne Pfeffer für die Genehmigung zur Veröffentlichung von Auszüge aus dem Short Guide auf den Bildseiten.

Seeing is believing

11. September -
13. November 2011

Kuratorin:
Susanne Pfeffer

Nafas
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