Wong Hoy Cheong: Days Of Our Lives

Tage unseres Lebens: mit Modellen aus früheren Kolonien Europas nach dem Vorbild französischer Gemälde inszenierte Fotos.
Sep 2009

Kunstmuseen ganz Europas in ihrem architektonischen Glanz sind historisch die Wächter und Verwahrungsorte eines Europäischseins gewesen. Ihre Kunstsammlungen von Gemälden und Skulpturen dienen dazu, ikonische Momente europäischer Kultur und Geschichte bis in alle Ewigkeit zu bewahren. Aber Europa hat sich gewandelt und verändert sich nach wie vor. Durch den Zustrom großer Bevölkerungsgruppen von Migranten aus den früheren Kolonien, die Europa zu ihrer Heimat gemacht haben, sind solche Begriffe wie das Französischsein oder das Britischsein oder das Deutschsein nicht nur in einen ständigen Fluss geraten, sondern man muss sich ihrer auch neu vergegenwärtigen. Was macht das "Europäischsein" heute aus?

Nach einer Fernsehserie in den USA benannt, die in den vergangenen 40 Jahren praktischen jeden Tag lief, ist Days Of Our Lives (Tage unseres Lebens) eine Serie von sechs Fotografien, die dieses neue Europäischsein erkunden. Diese nachgestellten Fotografien oder Tableaux vivants (lebende Bilder) basieren auf französischen Gemälden im Museum der Schönen Künste von Lyon (Frankreich), die häusliche Szenen darstellen: die Zubereitung von Essen; das Ausruhen, Lesen und Musizieren; Barmherzigkeit gegenüber den Armen üben oder von zu Hause vertrieben sein oder in den Krieg ziehen. In den Gemälden erscheinen gewöhnliche Menschen und deren alltägliche Tätigkeiten und Probleme.

Obwohl diese Gemälde aus der Vergangenheit stammen, hallen ihre Themen und Emotionen nach und sind bis heute von Bedeutung. Während die Figuren, die diese Gemälde bevölkern, offenkundig europäischer Herkunft sind, hat sich die Realität jetzt radikal verschoben. Indem sie mit Modellen aus Europas früheren nicht-jüdisch-christlichen Kolonien in Afrika, dem Nahen Osten und Asien arbeiten, setzen die Fotografien demgegenüber diese "Tage unseres Lebens" mit muslimischen nigerianischen, iranischen, türkischen und buddhistischen burmesischen Minderheiten in Szene. Das jüdisch-christliche Europäischsein einer anderen Epoche weicht einem neuen Flusse und einer Vielfalt. Die Vergangenheit lebt in der Gegenwart und die Gegenwart in der Vergangenheit fort, indem ansässige und eingebürgerte Minderheiten von Migranten ein neues Europäischsein für dieses Jahrhundert konstruieren.

 

Die Fotoserie entstand im Auftrag der Biennale Lyon 2009, mit freundlicher Erlaubnis des Musée des Beaux Arts de Lyon und der Unterstützung von Larson Juhl.

(Aus dem Englischen: Haupt & Binder)

Days of Our Lives. 2009
(Tage unseres Lebens)
Digitale Fotografien auf beschichteter Leinwand



Mitarbeit:

Fotografie & Nachproduktion:
Ng Kim Hock
Lichtdesign:
Mike Muschamp
Makeup & Garderobe:
Shahnaz Baharuden,
Shahrin Baharuden
Bühnenbilder & Requisite:
David Wong


Nafas
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