Turquoise Mountain Foundation

Stiftung in Afghanistan für die Wiederbelebung traditioneller Kunst und Gewerke und die Regenierung urbaner Viertel.
Jul 2008

Turquoise Mountain (Türkisberg) ist im März 2006 in Afghanistan als nicht-kommerzielle NGO (Nicht-Regierungsorganisation) mit Unterstützung und unter der Schirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit Prinz Charles, Prinz von Wales, und des Präsidenten von Afghanistan, Hamid Karzai, gegründet worden. Der Name stammt von der größten afghanischen Hauptstadt des Mittelalters, die 1216 von Dschingis Khan zerstört wurde und in Vergessenheit geriet. Das einzige erhaltene Gebäude ist das großartige Minarett von Jam. Der Name des Projekts erinnert an die einzigartige Tradition der Kunst und Architektur Afghanistans.

Im ersten Jahr etablierte Turquoise Mountain das einzige Institut für afghanische Kunst und Architektur, brachte einige der größten Meister zusammen und begann mit der Ausbildung von Schülern in der Holzbearbeitung und Schnitzerei, der Kalligraphie und Keramik. Die traditionellen Künste Afghanistans sind noch immer einer der größten Produktionszweige des Landes. Sie bieten den Schutzlosesten einen Broterwerb, einschließlich der Frauen und der armen Landbevölkerung. Sie sind eine Quelle des Stolzes und der positiven Identität. Das Institut widmet sich der Wiederbelebung der traditionellen Künste und Gewerke und der Entwicklung neuer Einkommensmöglichkeiten für Handwerker und Frauen in Afghanistan.

Das Institut und seine der traditionellen Keramik, Holzbearbeitung und Kalligraphie gewidmeten Schulen bringen die führenden Handwerksmeister des Landes sowie internationale Berater zusammen, um traditionelle Fertigkeiten zu bewahren, technische Fähigkeiten zu verbessern und neue Designs zu entwickeln. Die Schüler lernen ganztägig fünf Tage die Woche und erhalten eine Ausbildung in allen Aspekten des von ihnen gewählten Kunsthandwerkszweiges, einschließlich Gestaltung, Sicherheit im technischen Zeichnen und Umgang mit dem Material, Lesen und Schreiben in Dari, Englisch, Arbeit mit dem Computer und geschäftliche Kenntnisse.

Das Turquoise Mountain Programm für Geschäftsentwicklung arbeitet mit dem Institut und mit dem existierenden Geschäftszweig für Kunsthandwerk zusammen, um neue Märkte für afghanisches Kunsthandwerk zu erschließen und ökonomische Anreize zu schaffen, die dessen Überleben sichern. Es bildet die Schüler und Kunsthandwerker in Geschäftspraktiken aus und hilft ihnen dabei, zu expandieren und ihre Produktion zu professionalisieren. Und es arbeitet dafür, afghanisches Kunsthandwerk auf den Weltmarkt zu bringen. Turquoise Mountain veröffentlicht eine Website (turquoisemountainarts.af) und einen Katalog, um die Erzeugnisse von zehn hoch qualifizierten afghanischen Kunsthandwerkern und Werkstätten weltweit zu verkaufen.

Regenerierung alter Städte

"Wir alten Einwohner von Kabul haben so viel gelitten, dass der Schutz dieses Gebiets so etwas wäre wie das in den Mund eines durstigen Mannes tropfende Wasser."
Pahlwan Aziz, Vorsteher der Murad Khane Schura.
Das Viertel Murad Khane liegt am Kabul Fluss in der Nähe der neuen Stadthotels und des alten Vogelmarkts. Das blaue Minarett des Abu Fazl Schreins ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Das Gebiet wurde durch Verwahrlosung, Krieg und skrupellose Bauherren in Mitleidenschaft gezogen. Aber in Murad Khane ist noch viel von der originalen Struktur erhalten geblieben, mit dem Netzwerk schmaler Gassen, die zwischen dem Basar, den religiösen Einrichtungen, der Karawanserei und den Wohnhäusern in einer Weise verlaufen, die von der einzigartigen Verwurzelung in der islamischen Gestaltungsweise und in fast vierhundert Jahren afghanischer Geschichte zeugen. Die Bewohner sind eine bemerkenswert gemischte ethnische und religiöse Gemeinschaft, bestehend aus Qizilbash, Tadschiken, Hazara und Paschtunen, die trotz des Bürgerkrieges Seite an Seite leben.

Murad Khane war dereinst ein florierendes Geschäfts- und Wohnviertel, doch die traditionellen Gebäude verfielen und die Straßen wurden mit Abfall und Schutt gefüllt, und die öffentlichen Dienstleistungen waren unzuverlässig oder inexistent. 2006 wurde Turquoise Mountain vom Ältestenrat von Murad Khane gebeten, ihm bei der Verbesserung der Infrastruktur und dem Schutz des kostbaren kulturellen Erbes in dem Viertel zu helfen.

Bis heute haben Turquoise Mountain und die Murad Khane Gemeinde dieses erreicht:

5000 Kubikmeter Schutt beseitigt, das Niveau der Straßen um bis zu zwei Meter gesenkt und allen arbeitslosen Männern des Gebiets Arbeit gegeben.

200 Meter Kanalisation installiert und zwei neue Brunnen für Trinkwasser ausgehoben.

Straßen erstmals überhaupt mit Steinen gepflastert.

Über 50 Gebäude repariert, einschließlich derjenigen, die für die Architekturtradition Afghanistans von zentraler Bedeutung sind.

Es geschafft, dass Murad Khane vom World Monuments Fund in die Liste der 100 meist bedrohten Stätten des kulturellen Welterbes aufgenommen wurde.

Ein Alphabetisierungszentrum eröffnet, um 156 Kindern in Murad Khane Zusatzunterricht zu geben.

Einen Teilzeitarzt angestellt, um am Ort selbst medizinische Grundversorgung zu leisten und falls nötig Einweisungen in ein Krankenhaus vorzunehmen.

Ein Ausbildungsprogramm im Sticken für 30 Frauen aus Murad Khane gestartet.

Turquoise Mountain investiert in das traditionelle Kunsthandwerk und die historischen Gebäude Afghanistans, um dessen Erbe zu bewahren, urbane Gebiete zu regenerieren, Besucher anzuziehen, die Erwerbsmöglichkeiten zu entwickeln, Regierungsinstitutionen aufzubauen und den Lebensstandard der Einwohner zu verbessern.

 

(Text der Turquoise Mountain Foundation.
Aus dem Englischen: Haupt & Binder)

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