Tromarama: Serigala Militia

Video für die Trash Metal Band Seringai aus Jakarta, eine Holzschnitt-Animation.
Von Joselina Cruz | Sep 2008

Musikvideos wurden von kulturellen Institutionen bereits in den späten 1980er Jahren als eine einflussreiche ästhetische Form akzeptiert. Hervorgebracht von MTV im Zuge von dessen Entwicklung, ist das Musikvideo durch Werke solcher Künstlerinnen wie Laurie Anderson und Pipilotti Rist zu einem Crossover in der Kunst geworden. 2003 wurde Kim Gordon von Sonic Youth vom Museum of Modern Art in New York zusammen mit Anderson und Rist eingeladen, eine Auswahl von Musikvideos aus der Zeit von 1965 bis 1985 zu kuratieren [1]. Solche Vorläufer haben jüngere Künstler ermutigt, auf diesem Gebiet zu experimentieren und ihre eigenen Ausdrucksformen zu entwickeln.

Tromarama, gegründet 2004, ist eine Gruppe eng verbundener junger Künstler, die vom Design her kommen und jetzt das Musikvideo aktiv für die Erkundung verschiedener Medien nutzen. Mit der Stop-Motion-Technik für Animation hat die Gruppe drei Musikvideos für Bands verschiedener Richtungen (Indie, Jazz und Thrash Metal) geschaffen. Die Videos von Tromarama sind durch die Nutzung ungewöhnlicher Materialien und Techniken zusammen mit Sprache und Mitteln der Hochtechnologie charakterisiert. In einem jüngeren Video für die Indie Band RNRM benutzten sie Knöpfe, Münzen und bunte Perlen für eine Animation der Band. Das Ergebnis ist eine sich reich und schillernd bewegende Leinwand. Alle ihre Musikvideos sind durch die Ruckhaftigkeit gekennzeichnet, die für das Handwerk und die Methode von Stop-Motion typisch ist.

Das Video Serigala Militia (2005-2006) wurde für die Thrash Metal Band Seringai (was in Bahasa-Indonesisch "grinsen" bedeutet) in Jakarta produziert. Deren Musik - schwer, laut und düster - ist eine Spielart von Heavy Metal. Im Thrash Metal beziehen sich die Texte oft auf soziale Themen, gepaart mit einer Attitüde der Aggression. Tromarama benutzte für das Video für Seringai 450 Sperrholzplatten, um eine Animation aus Holzschnitten zu schaffen. Die grobe Struktur des Holzes und der ungleichmäßigen Kerbungen haben viel mit der Musik der Metal Band und deren schnellen Gitarrenriffs zu tun. Das Video, dessen Song den Fans von Seringai gewidmet ist, hat trotz der Derbheit der Musik insbesondere durch seine Sepiafarben eine geradezu nostalgische Qualität. Den perfekten, flüssigen Übergängen merkt man die hinter den Bildern stehende Arbeit kaum an. In der Biennale sind die Tafeln zum ersten Mal zusammen präsentiert, und der ganze Raum wird zu einem Storyboard für das Video. Tromarama erkennt an, dass ihre Arbeit eine Kontinuität aufweist, die über die projizierten Bilder hinausgeht, und dass die gesamte Installation zu einem eigenen Kontext wird, in dem das Video wahrgenommen und erfahren werden sollte. Die ansonsten verborgenen Tricks der Technologie verstecken nicht mehr die groben Bewegungen zwischen den Übergangen, die Fehler sind deutlich sichtbar. Hier können wir jedoch auch die Arbeit Einstellung für Einstellung nachvollziehen, die im selben Moment präsent ist, in dem Musik, Handwerk und Technologie zu dem zusammengeführt worden sind, was eine geläufige Ausdrucksform zeitgenössischer Kultur ist - dem Musikvideo.

 

<line>Anmerkung:</line>

  1. Kathryn Weir, Jump Cut: Music Video Aesthetics. In: Video Hits: Art & Music Video. Ausstellungskatalog, Queensland Art Gallery, 2004, Seite 38.


Joselina Cruz

Freischaffende Kuratorin und Autorin, arbeitet in Manila, Philippinen, und Singapur. War Kuratorin am Singapore Art Museum und am Lopez Museum in Manila. Ko-Kuratorin der 2. Singapur Biennale 2008.

(Text aus dem Kurzführer der Singapur Biennale 2008. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Veranstalters der Biennale. Aus dem Englischen: Haupt & Binder.)

Serigala Militia. 2006
Installation
Videoanimation aus 450 Holzschnittplatten



Siehe auch:

City Hall thumb
11. September - 16. November 2008. Thema: Wonder. Künstlerischer Leiter: Fumio Najo, Curatoren: Joselina Cruz, Matthew Ngui.
Nafas
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