Sima Zureikat: Passage

Fotoserie Passage, entstanden in Jordanien als Beschäftigung mit Lichtmarkierungen in paradoxen Landschaften.
Jul 2008

Die Fotografien der Serie "Passage" sind Teil einer länger andauernden Beschäftigung mit Lichtmarkierungen in paradoxen Landschaften, die in Zusammenarbeit mit der Landschaftsarchitektin Lara Zureikat vonstatten geht. Während weite Horizonte für die Betrachter häufig Hoffnung und Verzückung bedeuten, unterbrechen natürliche oder von Menschen gemachte Barrieren, wie historische Ruinen oder Gewässer, in dieser Bilderserie die visuelle Ebene und verwehren dadurch die Passage durch das Land. Die Lichtmarkierungen in der Landschaft verweisen nicht nur auf das vorhandene Hindernis, sondern sind selbst metaphorische Durchgänge durch das Gebiet.

Das Projekt begann 2006 am Toten Meer in Jordanien. Hier zeigen die Fotos ein felsiges Wüstengebiet, das abrupt vor einer Wasserfläche und einem dunstigen Berghorizont endet. Statt ein offenes Terrain und etwas Verbindendes zu symbolisieren, steht das Meer, das den Übergang zwischen zwei Gebieten verhindert, für die politische Realität einer territorialen Grenze. In diesem Projekt agiert das projizierte Licht als eine Geste des Überschreitens und bildet damit eine Brücke zwischen den beiden Landschaften.

Auf die Bilder vom Toten Meer folgte eine zweite Phase der Serie "Passagen", die 2007 in den Ruinen der Zitadelle von Amman in Jordanien stattfand. Hier sind die Ruinen der zum Schutz einer antiken römischen Festung gebauten Mauern die Hindernisse. Während sich die Ruinen stolz über dem Häusermeer einer dicht besiedelten Stadt erheben, entsteht durch das Zerbröckeln der Steinstrukturen eine wachsende Kluft zwischen den Zeugnissen historischer Größe und der modernen Realität. Die auf die Ruinen weisenden Lichtmarkierungen lassen zwischen dem Betrachter und dem Horizont eine verblassende Zeitschiene entstehen und legen die Notwendigkeit nahe, sich mit der Vergangenheit auf dem eigenen Weg nach vorn auseinanderzusetzen.

In allen Fällen fordern die Vulnerabilität der Hindernisse und die definierte Präsenz der Lichtpassagen im Vordergrund die Wahrnehmung dessen heraus, was materiell und was immateriell ist. In diesem Paradoxon werden die Integrität der materiellen Welt und ihre sozio-politischen Konsequenzen hinterfragt, indem die spirituelle Aufhebung solcher Barrieren in Betracht gezogen wird.

 

(Aus dem Englischen: Haupt & Binder)

Serie Passage
Totes Meer, Jordanien, 2006
Zitadelle, Amman, 2007
C-41 Drucke

Nafas
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