In der Stadt und auf der Straße

26 Künstler aus diversen Ländern im öffentlichen Raum, Museen und Galerien in Maskat, Oman.
Von Patricia Groves | Mai 2007

Circle-Künstler sind alles andere als konventionell. Zur vierten Edition der Ausstellungsreihe

The Circle 2007 in Maskat zogen sie mit Installationen auf die Straße, raus in den öffentlichen Raum in Al Khuwair und in den Mutrah Souq (Markt). Außerdem zeigten sie ihre Werke in der Bait Muzna Galerie und im neuen Museum Bait Al Baranda.

Die Kunst wurde nicht im traditionellen Sinne gehangen oder aufgestellt, sondern in einer Weise "installiert", die ihre Umgebung veränderte und überkommene Sehgewohnheiten herausforderte. Installationskunst ist dazu gedacht, den Betrachtern eine konzeptuelle Erfahrung zu vermitteln. Jedes Medium kann genutzt werden, aber im allgemeinen handelt es sich um eine skulpturale Dimension, und oft ist etwas in Bewegung.

Das Projekt

Circle begann mit einer Handvoll Pioniere der Avantgarde-Kunst in Maskat, insbesondere den Omanis Anwar Sonya und Hassan Meer sowie der Österreicherin Sini Coreth. Für die jüngste Schau, vier Jahre nach dem Beginn, kamen 26 Künstlerinnen und Künstler aus Oman und anderen Ländern zusammen, um ihre Werke an vier Orten in verschiedenen Teilen der Stadt zu präsentieren. Fast die Hälfte von ihnen sind Omanis, die anderen leben am Persischen Golf, in Pakistan, Libanon, Südafrika, Österreich und Deutschland. Es zeugt von der wachsenden Reife der Kunstszene in Oman und der Region, dass die Ausstellung eine steigende Zahl an Künstlern aus dem Ausland anzieht und dass so viele einheimische Künstler daran teilnehmen.

Die Besucher von Maskat bewundern die Sauberkeit unserer Stadt mit ihren makellosen Straßen. Budoor Al Riyami, eine der lokalen

Circle-Künstlerinnen, machte mit ihrer sensiblen und zum Nachdenken anregenden Installation "Besen in Käfigen" auf die Straßenkehrer aufmerksam. In den Fotos sah man lediglich die Bürsten der Besen und den Akt des Fegens aus der Froschperspektive. Die Gesichter und Körper der Arbeiter sind nicht sichtbar. Diese bleiben in der Kunst wie auch in ihrem beruflichen Dasein anonym, gesichtslos und unsichtbar, scheinbar unwichtig, abgesehen von der Verrichtung des Fegens.

Eine Serie fesselnder Fotos mit dem Titel "Ein Lächeln - Foto-Malerei" der deutschen Künstlerin Antje Manser war in der Bait Muzna Galerie zu sehen. Ohne Farbe, mit einem brillanten Einsatz weicher Grautöne, vermitteln die Foto-Gemälde den Eindruck einer verhaltenen Op art. Eine ähnliche Serie derselben Künstlerin war im Museum Bait Al Baranda zu sehen.

Der weithin bekannte omanische Konzeptkünstler Hassan Meer machte sein schlichtes Atelier in Al Khuwair zum Gegenstand seiner jüngsten Videoinstallation. In früheren Videoarbeiten beschäftigte er sich mit existenziellen und religiösen Themen, wie Entfremdung, Ambiguität, Identität, Tod und dem unsicheren spirituellen Weg. Jetzt in der vierten Circle-Ausstellung und ganz in diesem Medium zu Hause, experimentiert Hassan mit Stilen und Techniken auf unmittelbare Weise - es sind Inhalte und Texturen kreativen Schaffens auf einem persönlichen Niveau.

Moosa Omar hatte bemalte Stoffe in drei Reihen auf den Boden gelegt, deren Zahl von neun bis sieben abnahm. Die groben Stoffstücke waren mit ihrer eigenen Art von Hieroglyphen bemalt - Bögen, Augen, Mondsicheln, Hühner, Palmen. Die Dekoration ist stumm, die Stimmung friedfertig, so wie beim Gebet.

Zum Mutrah Souq zu gehen, ist immer ein lohnenswertes Unterfangen, und das nicht nur wegen der Schätze, die man dort finden kann. Dieser Markt ist seit langem ein Treffpunkt vieler Kulturen, ein Ort mit den Speisen und Gerüchen des Orients und Afrikas, der dennoch spezifisch omanisch ist. Der berühmte omanische Künstler Anwar Sonya wählte den Mutrah Souq für seine mobile Installation "Reflektion". Er stellte einen riesigen Spiegel mit Spiegelflächen auf beiden Seiten auf und filmte mit seiner aufmerksamen Kamera, wie sich das Leben im Souq, das sich über die Jahrhunderte hinweg geändert hat, darin reflektiert.

Sini Coreth, die immer über neue Wege nachdenkt, das Publikum in ihre Werke einzubeziehen, installierte am Haupteingang des Souq eine große Videowand derart, dass die Passanten Bilder ihrer eigenen Mobiltelephone über Bluetooth darauf projizieren konnten. Sie druckte die Bilder aus und ließ sie von den mobilen Fotografen signieren. Das war natürlich ein sehr beliebter Teil der Arbeit, was dazu führte, dass sich große Ansammlungen von begeisterten Teilnehmern und neugierigen Zuschauern bildeten. Wie Sini sagte: "Welch besseren Weg kann es geben, die Kunst auf die Straße zu bringen!"

Das Schaffen aller 26

Circle-Teilnehmer ist innovativ und anregend. So wie sich die Wellen in einem Teich ausbreiten, in den ein Stein geworfen wurde, weitet sich das Projekt aus und kann sein Ziel, eine neue Sprache zeitgenössischer Kunst in einer globalisierten Welt zu schaffen, damit immer besser erreichen.

 

Patricia Groves

Kanadische Dozentin und Autorin, lebt seit 1997 in Oman. Gegenwärtig Beraterin im Ministerium für Hochschulbildung.

(Aus dem Englischen: Binder & Haupt)

The City & The Street
4. Circle-Ausstellung in Maskat

23. Januar - 2. Februar 2007

Verschiedene Einrichtungen und öffentlicher Raum in Maskat

Künsrlerinnen und Künstler:
Ibrahim Al-Busaidy
Sini Coreth
Manal Al Dowayan
Tarek Al-Ghoussein
Saif Al-Hanai
Abdulmonam Al Hasani
Mansoora Hassan
Idris Al Hooti
Radhika Khimji
Abeer Al Kwari
Abdul Rahim Al-Maimani
Anna Mair
Herschel Mair
Antje Manser
Hassan Meer
Khalifa Al-Obaidly
Moosa Omar
Ibrahim Al Qasmi
Anwar Sonya
Khaled Ramadan
Budoor Al Riyami
Anas Al-Shaikh
Camille Zakharia


Gesamtleitung:
Hassan Meer

Organisationskomitee:
Anwar Sonya, Abdulmonam Al Hasani, Sama Eesa, Ibrahim Al Qasmi, Budoor Al Riyami


Siehe auch:

01
Interview mit Hassan Meer über das neue Kunstzentrum, das zu einem Motor des Wandels in der Kunstszene Omans werden soll.
Nafas
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