Going Places

Vier Künstler/innen aus Kairo schufen Arbeiten für Werbeflächen auf innerstädtischen Bussen.
Von Mai Abu ElDahab | Jan 2004

Das Projekt ist für die innerstädtischen Busse in Kairo konzipiert und findet von Oktober 2003 bis März 2004 statt. Vier in der Stadt lebende Künstler wurden beauftragt, zweidimensionale Arbeiten zu schaffen, die anstelle der üblichen Werbetafeln plaziert werden: Iman Issa (1979), Hassan Khan (1975), Maha Maamoun (1972) and Basim Magdy (1977). Komplementiert wird das Projekt durch eine Werbekampagne, für die die Künstler ihre Projekte erweitert und Bilder für Postkarten produziert haben, die in der ganzen Stadt verteilt werden.

Iman Issas erstes zweidimensionales Werk ist eine Computer-Collage kitschiger Poster von paradiesischen Landschaften, die ein unscheinbares Wohnhaus umhüllen. Dabei geht es sowohl um eine Kritik am widersprüchlichen Überfluss, der von der Werbung propagiert wird, als auch um eine Reflexion über die ästhetischem Urteilen inhärenten Werte und die Kluft zwischen der Ästhetik des Gewünschten und des Gelebten.

Hassan Khans beeindruckendes Porträt eines anonymen Mannes ist eine einfache Präsentation der Nicht-Repräsentierten. Sein konfrontatorischer Impakt zwingt die Betrachter, ihre Position im Verhältnis zu einem in den öffentlichen Dialog nicht eingebundenen Individuum zu definieren.

Maha Maamouns hypnotische Architekturlandschaften benutzen als Grundelement das Mugamma, ein gigantisches Gebäude der sozialistischen Ära, das den Tahrir-Platz im Zentrum Kairos dominiert und ein Sinnbild des Institutionalismus ist. Sie erschaffen ein Bild, das visuell fesselt, obwohl seine Implikationen beunruhigen.

Basim Magdys Foto eines an einem düsteren Himmel schwebenden Heißluftballons, der verkündet "Superman wird uns alle retten", hinterfragt, inwieweit die Medien unser Empfinden persönlicher Macht beeinflusst haben.

Das Projekt ist ein Anfang, ein Versuch, den öffentlichen Raum Kairos zu infiltrieren - einen Raum, der monopolisiert ist von der kombinierten institutionellen Fessel der Macht der Unternehmen und der Regierung. Die Infiltration wurde möglich gemacht durch die Aneignung der Instrumente dieser Autoritäten, wobei sie die Ironie, die eine offenkundige Facette des urbanen Lebens in dieser Stadt ist, unterstreicht: Zugang zum öffentlichen Bereich kann nur durch Privatinitiative verwirklicht werden.

 

Website: www.cairobus.com

Mai Abu ElDahab

Freischaffende Kuratorin. Lebt in Kairo, Ägypten. 2005, Curator-in-residence am ISCP, New York. Ko-Kuratorin der Manifesta 6 in Nikosia, Zypern, 2006.

Going Places
Unabhängig organisiertes Projekt für öffentliche Busse in der Innenstadt von Kairo

Oktober 2003 - März 2004

Kuratorin:
Mai Abu ElDahab

Künstler/innen:

Nafas
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