Balqees Fakhro

Malerei: Von Stadtlandschaften über urbane Strukturen zu Sinnbildern aktueller Miseren.
Von Pat Binder & Gerhard Haupt | Jun 2004

Der Aufenthalt in Bahrain begann für uns mit einer Überraschung. Im Eröffnungsvortrag zum Symposium im Rahmen des Bahrain-Asila Culture Forums vertrat die Referentin die Auffassung, wenn sich die Kunst der arabischen Länder in einer globalisierten Welt international behaupten wolle, müsse sie sich stärker mit konzeptuellen, installativen und experimentellen Arbeitsweisen überhaupt auseinandersetzen. Darin läge für die eigene Region ein großes Potenzial. Um zu unterstreichen, was sie damit meint, zeigte sie die Mutanten-Figuren von Patricia Piccinini (Australiens Beitrag zur letzten Biennale Venedig) und beschrieb Installationen des in Bahrain lebenden Anas Al-Shaikh. Wir erfuhren, dass die Rednerin, die bei den Zuhörern Irritationen und teils heftigen Widerspruch ausgelöst hatte, Balqees Fakhro heißt und eine der anerkanntesten Malerinnen Bahrains ist.

Am nächsten Tag empfing uns Balqees Fakhro bei sich zu Hause. Zunächst führte sie uns durch die Räume zu den Bildern aus verschiedenen Phasen ihres Schaffens. Auf den ältesten davon, vor etwa 10 Jahren entstandenen, flächig gemalten Stadtlandschaften, sind die Häuser der Altstadt von Muharraq in Norden Bahrains noch erkennbar. Später wurde ihre Malerei abstrakter, die Farben wurden heller, die Formen großflächiger. "Die Struktur der Stadt ist noch sichtbar, aber man erkennt keine Kuppeln, Häuser oder Minarette mehr," erklärte Balqees Fakhro. "Die Stadt wird zu irgendeinem Ort, irgendwo..."

"Somewhere" - irgendwo - ist der Titel einer Bilderserie, an der sie gerade arbeitet. Aus der dick aufgetragenen Farbmaterie leuchtet ein spirituelles Licht. Balqees Fakhro sagt, die Formen würden gelegentlich an die Umrisse von Saudi-Arabien oder die Karte der Golfregion erinnern. Doch es sind existenzielle Sinnbilder irgendeines Ortes.

Zur 2003 gemalten Serie "Refugee Camps" (Flüchtlingslager) merkte Balqees Fakhro an, in den täglichen Nachrichten sähe man Flüchtlinge in vielen Teilen der Welt, in Afghanistan, Pakistan, Palästina oder anderswo. Dies sei eine nicht zu ignorierende Realität der heutigen Zeit. Doch ihr gehe es nicht um das Darstellen von etwas Konkretem, sondern um das Evozieren in einem allgemeineren Sinne.

Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen in Bahrain sieht sie keinen Konflikt zwischen ihrer Art der Malerei bzw. der Tafelmalerei an sich und den experimentellen Auffassungen, für die sie sich beim Symposium ausgesprochen hatte und bei denen sie den direkten Bezug zu Problemen der Gegenwart schätzt. Beides könne doch problemlos nebeneinander existieren, ohne sich gegenseitig ausschließen zu müssen.

 

Pat Binder & Gerhard Haupt

Herausgeber von Universes in Universe - Welten der Kunst und des Nafas Kunstmagazins. Leben in Berlin.

Nafas
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