Veil (Schleier)

Vom inIVA (London) organisierte Wanderausstellung über Schleier und das Verschleiertsein.
Von Pat Binder & Gerhard Haupt | Mär 2003

In Walsall, einer Stadt nahe Birmingham, deren besonderer Stolz die Produktion von Lederwaren ist, startete im Februar eine Wanderausstellung des Londoner inIVA zum - wie sich schnell zeigen sollte - heiklen Thema "Schleier".

Gilane Tawadros, die Leiterin des Institute of International Visual Arts und eine der Kuratorinnen, schrieb: "Nach dem 11. September ist der Schleier zum Synonym für kulturelle und religiöse Unterschiede geworden, die man uns immer wieder als unüberbrückbar, fremd und erschreckend dargestellt hat. Die Tatsache, dass der Schleier und das Verschleiertsein Jahrtausende lang Teil sowohl der westlichen als auch der östlichen Kulturen waren, hat deren ausdrückliche Assoziierung mit dem Islam und einer abstrakten, exotisierenden Vorstellung von Orient nicht verringert."

Das Projekt "Veil" war aber schon lange vor dem 11. September 2001 von der Künstlerin Zineb Sedira konzipiert und zusammen mit deren Kollegin Jananne Al-Ani sowie den beiden anderen Kuratoren, David A. Bailey und Gilane Tawadros, vier Jahre lang vorbereitet worden. 20 Künstlerinnen und Künstler behandeln das Thema in seiner Komplexität und Mehrdeutigkeit und hinterfragen simplifizierende kulturelle Interpretationen. Neu in Auftrag gegebene Werke sollen mit älteren, bereits bekannteren dialogisieren.

Obschon in der Ausstellung das Spektrum aktueller künstlerischer Praktiken vorkommt, wird fotografischen und filmischen Arbeiten eine besondere Bedeutung zugemessen. Das Projekt soll u.a. die Rolle untersuchen, die Fotografie, Film und Video als zeitgenössische Werkzeuge bei der Erfassung und Vermittlung der Vorstellungen vom Schleier spielen. Dieses Anliegen wird durch einen historischen Teil untermauert, zu dem der Film "The Battle of Algiers" (1965) von Gillo Pontecorvo, Fotos des Psychiaters und Fotografen Gaëtan de Clérambault sowie die Aufnahmen zwangsweise unverschleierter Frauen gehören, die Marc Garanger während des Unabhängigkeitskrieges in Algerien (1954-62) für das französische Militär machen musste.

Noch vor der Eröffnung in Walsall bestanden die offiziellen Vertreter der Stadt darauf, zwei Fotos aus der Ausstellung zu entfernen. Zu diesem Akt der Zensur siehe die Presseinformation des inIVA mit Abbildungen der beiden Arbeiten.

Bleibt zu hoffen, dass die lokalen Autoritäten an den folgenden Ausstellungsorten weniger ängstlich sind.

 

Publikation:
<line>Veil: Veiling, Representation and Contemporary Art</line>

<line>Hrsg. von David A. Bailey und Gilane Tawadros.</line>

<line>Mit Essays von Jananne Al-Ani, David A. Bailey, Alison Donnell, Hamid Naficy, Zineb Sedira, Gilane Tawadros. Vorwort von Reina Lewis. Nachgedruckte Texte von Leila Ahmed, Frantz Fanon, Ahdaf Soueif.</line>

Pat Binder & Gerhard Haupt

Herausgeber von Universes in Universe - Welten der Kunst und des Nafas Kunstmagazins. Leben in Berlin.

Veil
Organisiert vom inIVA, London

The New Art Gallery Walsall
14. Febr. - 27. April 2003

Bluecoat Gallery & Open Eye Gallery, Liverpool
5. Juli - 16. August 2003

Modern Art Oxford
22. November 2003 -
26. Januar 2004

Kuratoren:
Zineb Sedira
Jananne Al-Ani
David A. Bailey
Gilane Tawadros

Künstler/innen:
Faisal Abdu'Allah
Kourush Adim
AES art group
Jananne Al-Ani
Ghada Amer
Farah Bajull
Samta Benyahia
Shadi Ghadirian
Ghazel
Emily Jacir
Ramesh Kalkur
Majida Khattari
Shirin Neshat
Harold Offeh
Zineb Sedira
Elin Strand
Mitra Tabrizian

Historischer Teil::
Gaëtan de Clérambault
Marc Garanger
Gillo Pontecorvo

Iniva
Rivington Place
Großbritannien
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Nafas
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