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Cevdet Erek: Bergama Stereo

Architekturinstallation mit Sound, inspiriert vom berühmten Fries des Pergamonaltars mit dem Kampf der Götter und Giganten, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Berlin gebracht wurde.
Jan 2020
© Foto: Haupt & Binder

In der Architekturinstallation mit Sound Bergama Stereo bezieht sich der in Istanbul lebende Künstler und Musiker Cevdet Erek auf die Gestalt, die historische Funktion und die fortwährende Rezeptionsgeschichte des in Berlin befindlichen Pergamonaltars und kreiert eine Neuinterpretation dieses bedeutenden hellenistischen Bauwerks aus dem 2. vorchristlichen Jahrhundert.

Bergama ist der türkische Name für das antike Pergamon sowie der heutigen Stadt und des Bezirks in der Provinz Izmir. Das Wort "stereos" bedeutete im Altgriechischen ursprünglich "fest". Hier steht es unter anderem für die Methode der multi-direktionalen und perspektivischen Tonwiedergabe – analog zum natürlichen Hören. Stereoklang entsteht im Audioplayback und bei Verstärkersystemen von Liveperformances üblicherweise durch die symmetrische Anordnung von zwei Einzellautsprechern oder zwei Lautsprechergruppen.

In Bergama Stereo wird dieser audiovisuelle Aspekt mit der symmetrischen Architektur des Altars und seiner zwei Flügel verknüpft. Dabei bleiben die Proportionen des Pergamonaltars im verkleinerten Maßstab von knapp 1:2 erhalten. Der berühmte Gigantenfries des Altars wird in einer Multi-Kanal-Komposition interpretiert, die den Raum beschallt. Der Sound übernimmt hier die zentrale Rolle zur Schaffung einer tönenden Architektur, die die visuellen Elemente des originalen Altars ersetzt und in ein multi-dimensionales Narrativ übersetzt.

An die Stelle des Skulpturenfrieses tritt ein monumentaler Lautsprecherfries mit einer Komposition, die sich aus verschiedenen Sounds und Klangquellen speist und über 34 separate Lautsprecherkanäle in den Raum projiziert wird. Analog zum nur fragmentarisch erhaltenen originalen Pergamonfries wechseln sich die Lautsprecher mit leeren Lautsprechergehäusen ab. Der neue akustische Fries interpretiert und transformiert die Darstellungen im Gigantenfries auf vielfältige Weise: Der Kampf der Olympischen Götter mit den sich gegen ihre Herrschaft auflehnenden Giganten des Untergrunds wird durch die vielkanaligen, verräumlichten Sounds auf verschiedene heutige Kämpfe übertragbar und so in einem abstrakten Modus neu erfahrbar gemacht. Die ästhetische Bezugnahme auf die elektronische Musik- und Clubkultur der letzten Jahrzehnte in Berlin spielt dabei ebenso eine Rolle wie Klänge der traditionelle Basstrommel Davul und Tanzrhythmen der Region um Bergama.

Pergamon Altar in Berlin
© Foto: Haupt & Binder
Pergamon Altar in Berlin
© Foto: Haupt & Binder
Südrisalit: Dionysos und zwei junge Satyre
© Foto: Haupt & Binder
Ostfries: Hekate gegen Clytius (links), Artemis gegen Styphelos und Otos
© Foto: Haupt & Binder
Ostfries: Artemis gegen Styphelos und Otos - Detail
© Foto: Haupt & Binder
Nordfries: Drei Moiren (Schicksalsgöttinnen) prügeln die Giganten Agrios und Thoas zu Tode
© Foto: Haupt & Binder
Nordfries: Keto mit Löwen gegen zwei Giganten
© Foto: Haupt & Binder
Nordrisalit: Triton gegen drei Giganten
© Foto: Haupt & Binder
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Interpretation des Pergamonaltars

Der Künstler interpretiert den berühmten Gigantenfries des Altars, dessen Fragmente Ende des 19. Jahrhunderts vom ursprünglichen Standort in der heutigen Westtürkei nach Berlin transportiert wurden, in einer 34-Kanal-Komposition. Der Sound übernimmt hier die zentrale Rolle zur Schaffung einer Architektur, die die Besucher*innen in ihrer Bewegung durch den Raum hörend erfassen

Die große Bedeutung, die der hellenistischen Altaranlage in dem gerade gegründeten Deutschen Kaiserreich seit den 1880er-Jahren zukam, ist eng verbunden mit der aufblühenden Entwicklung der Antikenrezeption in Wissenschaft und Kultur. Darüber hinaus spielte sie eine wichtige Rolle im kulturellen Wettstreit des Kaiserreichs mit anderen europäischen Großmächten. In Berlin wurde dem Altar 1901 ein eigenes Museum eröffnet, das bis heute zu den bestbesuchten Museen der Stadt gehört. Das Pergamonmuseum wird derzeit renoviert, sodass der Altar über mehrere Jahre nicht öffentlich zugänglich ist.


Bergama Stereo in Berlin

Nachdem Bergama Stereo während der Ruhrtriennale 2019 in Bochum erstmals präsentiert wurde, ist das Werk nun im Rahmen der Reihe "Musikwerke Bildender Künstler" in Berlin zu erleben. Wie schon in Bochum, ist auch in Berlin ein im Ausstellungsraum stattfindendes Konzert- und Performanceprogramm integraler Bestandteil der Präsentation. Es greift Themen und strukturale Aspekte der Architektur auf. Musiker und Musikerinnen sind eingeladen, sich mit den charakteristischen Merkmalen der Installation wie Symmetrie, Balance, Gegensatz und den inhaltlichen Aspekten des Werks wie Geschichte, Ritual, Macht, Kampf, Streit, Vertreibung und Migration auseinanderzusetzen.

Informationen: Ausstellung und Programm

Aus Presseinformationen.
© Video und Fotos: Binder & Haupt, universes.art

Cevdet Erek: Bergama Stereo

19. Oktober 2019 - 8. März 2020

Hamburger Bahnhof

Museum für Gegenwart - Berlin

Invalidenstr. 50-51
10557 Berlin
Deutschland

Kurator*innen:
Ingrid Buschmann / Freunde Guter Musik Berlin e. V.
Gabriele Knapstein / Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie
Matthias Osterwold / Ruhrtriennale

Audiovisuelle Performance von Cevdet Erek
5. März 2020, 18:30- 19:30
Mit einer audiovisuellen Reise aus Klang, Bildern und Performance wird er die vergangenen und zukünftigen Stationen des Projektes von Bochum über Berlin und demnächst Istanbul evaluieren.

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