Graciela Sacco in Havanna

Die Künstlerin über ihre heliographische Installation "Schatten des Südens und des Nordens" auf der 7. Biennale Havanna 2000.
Nov 2017

Graciela Sacco


In Erinnerung an Graciela Sacco (1956 - 2017 Rosario, Argentinien) veröffentlicht Universes in Universe noch einmal ihr Statement zu dieser Arbeit, aufgezeichnet von Pat Binder und Gerhard Haupt nach einem Interview mit der Künstlerin in Havanna im November 2000.


"Schatten des Südens und des Nordens" ist eine Auseinandersezung mit dem Thema der Grenzen. In konzeptioneller Hinsicht zielt die Arbeit darauf ab, Fragen danach zu stellen, welches der eigene Platz und welches der Platz des anderen ist, wer ist wer im zeitgenössischen sozialen Milieu.

In einem dunklen Raum habe ich "Blicke" installiert (auf Acryl gedruckte Fotoserigraphien), die nur dann gesehen werden können, wenn man sie mit einer Taschenlampe beleuchtet, die im Zentrum des Raumes an einem langen Kabel hängt. In dieser Arbeit ist der Zuschauer der Akteur. Er ist verantwortlich für das, was er sieht, denn das Sehen setzt das Beleuchten voraus. Wer leuchtet, eliminiert damit ein Fragment der Dunkelheit, er attackiert die Schatten.

Die Bilder, die ich für meine Arbeiten verwende, habe ich mir im allgemeinen aus den Massenmedien angeeignet (Zeitungen, Zeitschriften). In diesem Falle ist das transparente Foto auf dem Glas der Lampe, das beim Anknipsen auf die Wand projiziert wird, ein auf einen selbst zielender Revolver. Das führt dazu, das alles, was man in dem Raum sieht, von einer bedrohenden Waffe überlagert ist - eine konstante Verteidigung gegenüber einem andauernder Angriff.



Im Außenraum habe ich Bilder der gleichen bedrohenden Pistole installiert. Dabei geht es mir auch um ein Verdeutlichen der Aggression in den heutigen Städten.




Diese Arbeit hat darüber hinaus mit einer visuellen Interferenz zu tun, die ich vor einigen Monaten an Grenzen in Konfliktregionen realisiert habe, so im Mittleren Osten. Transparente Fotos auf Acryl haben Bilder der Augen auf bestimmte, "unberührbare" Mauern projiziert, wenn die Sonne durch sie hindurch schien. Der Schatten darf das berühren, was eigentlich verboten ist.

Kunstwerke geben keine Antworten, möglicherweise formulieren sie Fragen. Es wäre insteressant, über das nachzudenken, was sie von uns fordern.


(© Text, Übersetzung, Fotos: Haupt & Binder)

Graciela Sacco:
Schatten des Südens und des Nordens
Aus der Serien: Bocanada
Innen- und Außeninstallation
Heliographie auf Papier, Foto-Serigraphie auf Acryl, Diapositive

7. Biennale Havanna 2000
Festung San Carlos de la Cabaña
Havanna, Kuba


Siehe auch:

Graciela Sacco
Das Nationale Museum der Schönen Künste von Buenos Aires ehrt Graciela Sacco (Rosario, 1956-2017) mit einer Ausstellung kuratiert von Fernando Farina, 24. April - 29. Juli 2018.
UiU Magazin
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