Apichatpong Weerasethakul: Morakot

Morakot (Smaragd), 2007. Video- installation: Erinnerungen, Träume in einem leeren Hotel in Bangkok.
Von Matthew Ngui | Nov 2008

Der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasethakul hat einen Abschluss in Architektur aus Thailand und einen Master für Schöne Künste, Bereich Film, aus Chicago. Er interessiert sich besonders für den Raum und die gebaute Umwelt sowie den künstlerischen Film. Über seine Filme sagte er: "Ich zeige ganz einfach die Orte, die ich mag, die Leute, die ich bewundere, die Landschaft, Architektur, Töne. Das ist der Ursprung des Filmemachens." [1] Diese Gedanken mögen ganz unkompliziert erscheinen, aber in der kreativen Übersetzung solcher Konzepte hat Weerasethakul, der Material und die Sensibilität seines Heimatlandes benutzt, der Interpretation von Raum und Geschichten durch Bild und Ton eine neue Wendung gegeben. Indem er dies tut, erscheinen seine Werke manchmal wie Installationen, denn er sinniert über den Raum, in dem die Videos aufgenommen werden.

In der Singapur Biennale 2008 zeigte der Künstler Morakot (Smaragd, 2007), seine Antwort auf das Thema der Biennale "Wonder". Das Emerald (Smaragd) ist ein leer stehendes Hotel in Bangkok, das in den 1980er Jahren eröffnet worden war, als Thailand einen sozialen Wandel durchmachte und eine beschleunigte wirtschaftliche Entwicklung erfuhr. Die Dinge änderten sich mit der Wirtschaftskrise in Asien in den 1990er Jahren. Als der Künstler nach Orten für andere Aufnahmen suchte, beeindruckten ihn die jetzt leeren Räumlichkeiten mit in der Luft schwebenden Staubpartikeln sehr, vielleicht wie ein Stern, der erst mit dem Zerbersten sichtbar wird und dann langsam verschwindet. Ein Jahr später kehrte er in das Hotel zurück, zusammen mit seinen Darstellern, die beim Drehen von Morakot ihre eigenen Erinnerungen und Träume erzählten, verzaubert von dieser Erfahrung.

Weerasethakul fand in seinen Filmen couragiert zu einer anderen Ästhetik. Viel von deren Charakter entsteht nicht nur durch die Spezifik der Räume in Thailand, sondern auch daraus, was dort und in der Region Indochina für "schön" erachtet wird. Die filmische Präsenz von Weerasethakuls Arbeiten ist frisch, unverstellt und lebendig, und bei allem ziemlich schön. Zum Beispiel die in Morakot verwendeten Computergrafiken haben zwar schon frühere Inkarnationen als Staubpartikel oder schwebende Daunenfedern erlebt, sind hier jedoch kulturell anders eingebettet und erscheinen verschieden und angemessen wundersam. Der beabsichtigte und intelligente Gebrauch der Besonderheiten von kulturellem "Sehen" und Wahrnehmung in seinem Werk haben es seinen Filmen ermöglicht, hervorzustechen und große internationale Preise zu gewinnen, so bei den Filmfestivals von Cannes, Venedig, Tokyo Filmex und vielen anderen mehr.

Anmerkung:

  1. <line>Aus einem Interview</line><line> mit Michael Guillen (2007)</line>

 

Matthew Ngui

Bildender Künstler, lebt in Singapur und in Australien. Zahlreiche internationale Ausstellungen, darunter diverse Biennalen und die Documenta 1997 in Kassel. Ko-Kurator der 2. Singapur Biennale 2008.

(Text aus dem Kurzführer der Singapur Biennale 2008. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Veranstalters der Biennale. Aus dem Englischen: Haupt & Binder)

Morakot (Smaragd). 2007
Videoinstallation
11 Min.


Siehe auch:

City Hall thumb
11. September - 16. November 2008. Thema: Wonder. Künstlerischer Leiter: Fumio Najo, Curatoren: Joselina Cruz, Matthew Ngui.
UiU Magazin
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