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Umm er-Rasas

Umm er-Rasas - Kastron Mefa'a

Aus dem römischen Kastell Kastron Mefa'a am Limes Arabicus und einer Siedlung nördlich davon entwickelte sich im 5. Jahrhundert eine christliche Stadt und wichtige Wallfahrtsstätte. Viele der 16 Kirchen sind mit Mosaikböden ausgestattet worden, von denen einige exzellente Beispiele noch heute zu sehen sind. Besonders bemerkenswert ist der Mosaikboden der Kirche des Hl. Stephanus mit der Darstellung von Städten der Region.

Etwa 1,3 km nördlich steht ein 14 Meter hoher Stylitenturm. Er ist wahrscheinlich das letzte erhalten gebliebene Bauwerk dieser Art, auf das sich streng asketische Säulenheilige zurückzogen.

Wegen der großen Bedeutung der römischen, byzantinischen und frühislamischen Zeugnisse vom späten 3. bis 9. Jahrhundert ist Umm er-Rasas 2004 in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen worden.

Namen, Chronologie  

Fototour in 4 Teilen

Namen und Chronologie

Namen: Mefa'a, Umm er-Rasas

Der Ortsname war bereits den römischen und arabischen Quellen und der Bibel bekannt. Eusebius of Cesarea erwähnte, dass im 4. Jahrhundert n. Chr. eine Einheit der römischen Armee am Rande der Wüste in Mephaat stationiert war (Onomasticon 128, 21), einem Ort, den der Historiker mit der levitischen Zufluchtsstadt Mepha'at im Gebiet des Stammes Ruben in Moab identifiziert (Josua 13, 21; 21, 37; Jeremiah 48, 21).

In der Notitia Dignitatum, einem Staatshandbuch oder Hilfsbuch für den internen Dienstgebrauch römischer Behörden aus dem 5. Jahrhundert, steht, dass Hilfskavallerietruppen der römischen Armee im Lager von Mefaa am Rand der Wüste unter dem Kommando des Dux Arabiae stationiert waren.

Die Ortschaft Mefaa wurde vom arabischen Historiker el-Bakry als ein Dorf in der Belqa' von Syrien aufgeführt.

Dem arabischen Lexikographen Ibn Manzur zufolge, ist der Name Mefa'a von dem Wort mayfaa oder mayfa‘ abgeleitet, was hoch aufragender Ort oder Berg bedeutet (Ibn Manzur, maghrebinischer arabischer Lexikograph der arabischen Sprache: Lisan al-Arab "Die Sprache der Araber", fertiggestellt 1290).

Der heutige Name des Ortes Umm er-Rasas [auch: ar-Rasas] entstammt der arabischen Wurzel Rass, Rassas, was mit der Tätigkeit zu tun hat, etwas in perfekter Ausrichtung aufeinander zu legen. Es ist also ein Begriff, der auf eine fest gebaute Mauer schließen lässt, und damit ein guter Hinweis auf eine antike Ortschaft. Diese Interpretation ersetzt eine frühere, die auf dem arabischen Wort rasas (Blei) basierte, was mit dem Vorhandensein von Bleisarkophagen erklärt wurde, die man angeblich irgendwo gesehen hatte, doch bei all den Ausgrabungen wurde keine gefunden.

© Zusammengestellt und übersetzt von Universes in Universe

Chronologie

Eisenzeit II (7. bis 6. Jh. v. Chr.)
Archäologische Zeugnisse einer Siedlung, die unter der Kapelle der Säule (Komplex der Stephanuskirche) gefunden wurden: Basis einer Basaltsäule mit Blütenblättern, Steinskarabäus, Keramikscherben.


Römerzeit
Das Kastell am Limes Arabicus entstand wahrscheinlich Ende des 3. / Anfang des 4. Jahrhunderts als eines der unter Kaiser Diokletian (Herrschaft 284 bis 305) errichteten oder erweiterten Militärlager und Forts zum Schutz der Ostgrenze und der Handelswege von Arabien nach Syrien und Palästina.
Historischen Quellen zufolge war im 4. Jahrhundert n. Chr. eine Einheit der römischen Armee am Rand der Wüste bei Mefa'a stationiert.
Eine erste Siedlung vor dem nördlichen Tor des römischen Forts könnte es bereits während seiner militärischen Nutzung gegeben haben.


Oströmische / frühbyzantinische Zeit
Als das oströmisch-byzantinische Reich ab dem 5. Jahrhundert immer mehr Militärbasen am Limes Arabicus aufgab und das Grenzgebiet von verbündeten christlichen Ghassaniden bewachen ließ, wurde auch diese Garnison entmilitarisiert. Innerhalb der Mauern entstand eine dicht bebaute Zivilsiedlung, wodurch die ursprünglich rechteckige Anordnung von Wegen und Gebäuden schrittweise verschwand.
Das Gebiet nördlich der Mauer des Kastells entwickelte sich zu einer prächtigen Stadt, die ein wichtiger Wallfahrtsort wurde.


Byzantische Periode
Während der Zeit von Bischof Sergius als Oberhaupt der Diözese Madaba (576 - 602 n. Chr.), zu der Mefa'a gehörte, wurden die meisten der heute bekannten 16 Kirchen gebaut und mit Mosaikböden ausgestattet (siehe Fototour).
Die Stadt war ein kirchliches Zentrum, in das gewiss viele Menschen zum Gebet oder zur Messe in den Kirchen kamen. Der Stylitenturm muss ein wichtiges Pilgerziel gewesen sein, das von einer großen Zahl von Gläubigen besucht wurde, um den Stylitenmönch zu konsultieren, seine Gebete zu erbitten und seinen Segen zu erlangen.


Islamische Zeit
Nach der islamischen Eroberung im Jahr 636 (muslimischer Sieg in der Schlacht von Yarmouk) änderte sich der christliche und monastische Charakter von Mefa'a nicht. Während der Herrschaft der Umayyaden und Abbasiden wurden bis zum Ende des 8. Jahrhunderts weiterhin Kirchen gebaut.
Die Stephanuskirche mit ihrem aufwendigen Mosaikboden und den Namen vieler Stifter wurde 785 fertiggestellt. Das belegt, dass Ende des 8. Jahrhunderts noch eine gut organisierte und künstlerisch aktive christliche Gemeinschaft an diesem Ort existierte.
In Mefa'a (Umm er-Rasas) scheint im 9. Jahrhundert ein schwerwiegender Niedergang (oder das Ende) stattgefunden zu haben, denn ab jenem Zeitpunkt sind die ausgegrabenen Kirchen nicht mehr genutzt worden.

Umm er-Rasas blieb so authentisch erhalten, weil die historische Substanz über die Jahrhunderte hinweg kaum überbaut wurde. Auch wenn in osmanischer Zeit einige Steinhäuser errichtet worden sind und Beduinen bis ins 20. Jahrhundert zeitweise in Ruinen lebten, entstand auf dem archäologisch relevanten Gelände keine neue Siedlung.


Wiederentdeckung, Ausgrabungen
1807 entdeckte Ulrich Seetzen, der deutsche Forschungsreisende, die Stätte wieder.
1986 begannen Ausgrabungen am Nordrand des offenen Viertels, durchgeführt von Experten des Studium Biblicum Franciscanum. 1987 wurde das Gelände des Turms ausgegraben. 1988 begann die Schweizer Max Van Berchem Stiftung mit der Erforschung des Inneren des ummauerten Kastells. Seitdem werden jährlich weitere Ausgrabungen durchgeführt, vor allem in Bereichen außerhalb des Kastrons.


Weltkulturerbestätte seit 2004
2004 wurde Umm er-Rasasas in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

© Zusammengestellt und übersetzt von Universes in Universe


Umm er-Rasas Besucherzentrum
Etwa 70 km südlich von Amman,
30 km südlich von Madaba

Öffnungszeiten:
Sommer: 8 - 18:30 Uhr
April - Mai: 8 - 17:30 Uhr
November - April: 8 - 16 Uhr
Ramadan: 8 am - 15:30 Uhr

Die Texte dieser Präsentation von Umm er-Rasas basieren im Wesentlichen auf Information in: Nomination of the old city of Um er-Rasas (Kastrum Mefa’a) for the World Heritage List, vom Department of Antiquities of Jordan, Februar 2002.
Auch das grundlegende Buch von Michele Piccirillo The Mosaics of Jordan ist eine wichtige Quelle, aus der einige Abschnitte zitiert sind.
© Alle Fotos von Universes in Universe

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