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Typen der Grabfassaden

In Petra wurden 628 aus den Felsen gemeißelte Grabfassaden registriert, die ab der Mitte des 1. Jh. v. Chr. bis 129 n. Chr. entstanden. Viele gehörten zu größeren Komplexen mit Innenhöfen oder Plattformen, Triklinia, Zisternen und Wasserbecken für den Kult. Dort versammelten sich die Clans nicht nur, um ihrer Verstorbenen zu gedenken, sondern auch zu Feiern und anderen sozialen Aktivitäten. Die meisten Felsfassaden waren mit hellem Stuck überzogen und bemalt, was den weichen Sandstein vor Erosion schützte. In den schlichten Grabkammern wurden verschiedenartige Vertiefungen für Bestattungen in die Wände und Fußböden geschlagen.

1897-98 kartografierten und katalogisierten Rudolf Ernst Brünnow und Alfred von Domaszewski die Monumente von Petra. Die Nummerierung in ihrer 1904 veröffentlichten Publikation dient bis heute als Referenz. Sie erstellten auch eine erste Typologie der Grabfassaden, die sich drei Hauptgruppen zuordnen lassen. Die Zeichnungen auf dieser Seite sind ihrem Buch entnommen.

1. Zinnengräber

Auch Pylon- oder assyrische Gräber genannt. Die Wände sind oben oft leicht nach hinten und nach innen geneigt, was an Pylonen ägyptischer Sakralbauten erinnert. Die Fassade zieren ein oder zwei Friese aus gestuften Zinnen und je einer Halbzinne an den Ecken mit Reliefleisten darunter und darüber.

Einfaches Pylon-Grab
Fries mit einer Reihe gestufter Zinnen über einer Reliefleiste und manchmal einem weiteren schmalen, schlichten Fries.
In eine horizontale Nut über den Türen könnten die Namen der Grabinhaber, ein dekorativer Fries oder steinerne Traufkanten eingesetzt gewesen sein.

Doppeltes Pylon-Grab
Zwei Friese mit gestuften Zinnen sowie Reliefleisten unten und oben.

2. Treppengräber

Andere Bezeichnungen: Stufen-, Halbzinnen-, Proto-Hegra- oder Hegra-Gräber. Zwei nach außen führende, monumentale Treppen mit je fünf Stufen (außer bei einigen Gräbern in Hegra) über einer Hohlkehle, Sims und Faszien bekrönen die Fassade. Das Gebälk wird von Pilastern getragen, die an den innenliegenden Seiten durch Viertelsäulen ergänzt sein können. Die nabatäischen Hörnerkapitelle waren wohl zumeist stuckiert und bemalt.

Zum Unterschied zwischen Proto-Hegra- und Hegra-Typus siehe die Zeichnungen mit kurzen Erläuterungen. "Hegra" bezieht sich auf die zweitgrößte nabatäische Siedlung am südlichen Rand ihres Herrschaftsgebiets, das heutige Mada’in Salih im Nordwesten Saudi-Arabiens.

Auch für diese Fassadentypen haben die Nabatäer Elemente aus anderen Kulturen übernommen und adaptiert, so das Treppenmotiv, das es schon in der assyrisch-achämenidischen Kunst des 8./7. Jhs. v. Chr. gab. Die bei ihnen gebräuchliche Form der Hohlkehle könnte aus dem syrisch-phönizischen Amrit übernommen worden sein, so wie auch der Zinnenfries. An Vorbildern der hellenistisch-alexandrinischen Kunst orientiert sind u.a. die doppelte Türrahmung und die Pilaster mit Viertelsäulen.

Stufengrab
Zwei große Halbzinnen, die einander gegenüberliegen, über einem Cavetto-Gesims (konkave Leiste) und Faszien (horizontale, dreifach gebündelte Leisten, die von unten nach oben vorspringen).

Proto-Hegra
Zwei große Halbzinnen über einem Cavetto-Gesims und Faszien. Pilaster mit nabatäischen Kapitellen unter dem Architrav.
"Hegra" bezieht sich auf die zweitgrößte nabatäische Siedlung am südlichen Rand des Herrschaftsgebiets, das heutige Mada’in Salih im Nordwesten Saudi-Arabiens.

Hegra
Zwei große Halbzinnen über einem Cavetto-Gesims und Faszien. Über dem klassischen, von Pilastern getragenen Gebälk ist eine Attika ohne Dekorationen hinzugefügt. Auf dieser Attika gibt es gelegentlich Zwergpilaster oder Halb- bzw. Viertelsäulen.

3. Giebelgräber

Diese nur in Petra und dem näheren Umland gebauten Monumente werden wegen ihrer der griechisch-römischen Antike entstammenden Gestaltung auch als hellenistische Gräber, römische Tempelgräber, klassisch nabatäische oder klassisch nabatäisch-römische Gräber bezeichnet. Einfache Giebel oder auch in der Mitte offene Sprenggiebel bilden den Abschluss der ein- oder zweigeschossigen Felsbauten.

Die Fassaden können durch komplexere Anordnungen von Pilastern, Halb-, Viertel- und Dreiviertelsäulen mit nabatäischen Kapitellen geliedert und mit diversen dekorativen Elementen geschmückt sein. Des öfteren ist ein Metopen-Triglyphen-Fries in unterschiedlicher Ausprägung anzutreffen, und auch figürliche Reliefs sind möglich. Nach dem Vorbild des Al-Khazneh (Schatzhaus) erscheint in einigen Fällen eine zentrale Tholos (Rundtempel) im gesprengten Giebel.

Einfach klassisch
In der Grundstruktur Pilaster mit nabatäischen Kapitellen unter einem Gebälk, über dem sich ein dreieckiger Giebel erhebt. Die Fassade kann durch eine Türarchitektur mit Pilastern, Kapitellen und Attika oder andere dekorative Elemente gegliedert sein.

Komplex klassisch

Komplex klassisch
In der Grundstruktur und der Vielfalt architektonischer und dekorativer Elemente an der hellenistischen Architektur orientiert. Das bekannteste Beispiel ist Al-Khazneh (Schatzhaus), wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der Regentschaft von König Aretas IV. (regierte 9 v. Chr. - 40 n. Chr.) erbaut, bei dem deutliche Bezüge zur ptolomäischen Palastarchitektur Alexandrias erkennbar sind. Es diente als Modell für einige andere Fassaden des komplex-klassischen Typs, von denen es in Petra 35 gibt, wie das Korinthische Grab und Ad Deir (Kloster).

Nicht den drei Hauptgruppen zugehörig:

Bogengrab
Von Eckpilastern getragener, einfacher oder doppelter Bogen. Manchmal ist auch die Tür von Pilastern mit Kapitellen gerahmt, die einen zweiten Bogen tragen, der in der Mitte ein Ornament haben kann. Die Gräber dieses Typs sind klein.


Quellen, u.a.:

Rudolf-Ernst Brünnow und Alfred von Domaszewski: Die Provincia Arabia, Band 1.
Verlag Karl J. Trübner, Straßburg 1904.

Andreas Schmidt-Colinet, Thomas Weber, Jürgen Zangenberg: "Arabischer Barock". Sepulkrale Kultur in Petra.
In: Thomas Weber, Robert Wenning (ed.), Petra - Antike Felsstadt zwischen arabischer Tradition und griechischer Norm
Verlag Phillip von Zabern, Mainz am Rhein, 1997. S. 87 - 98

Lucy Wadeson: Blick hinter die nabatäischen Grabfassaden
In: Petra. Begleitbuch zur Ausstellung "PETRA - Wunder in der Wüste. Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, 23. Oktober 2012 bis 17. März 2013. Basel 2012. S. 120 - 126

Lucy Wadeson: The development of funerary architecture at Petra: the case of the facade tombs.
In: Men on the Rocks. The Formation of Nabataean Petra. Proceedings of a conference held in Berlin, 2-4 December 2011
Michel Mouton, Stephan G. Schmid (ed.). Logos Verlag Berlin, 2013, S. 167 - 180


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