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West-Thermen

West-Thermen / © Foto: Haupt und Binder, Universes in Universe

Die West-Thermen von Gerasa

Die Überreste eines architektonischen Komplexes auf der rechten Seite des Cardo, kurz bevor diese Hauptachse von Gerasa den nördlichen Decumanus kreuzt, erregten bereits im 19. Jahrhundert die Aufmerksamkeit der ersten Forscher. Anhand ihrer Zeichnungen ist zu erkennen, dass das, was sie sahen, der heute noch vorhandenen Ruine sehr ähnlich ist.

Die monumentalen Mauern und Gewölbe, die aus einem Trümmerfeld aufragen, gehören zu einem Thermalkomplex, der wegen seiner Lage westlich des Chrysorhoas (Wadi von Jerash) als "Westthermen" bekannt ist. Seine Grundstruktur entstand im nördlichen Viertel von Gerasa noch vor der ersten Bauphase des Cardo und des auf 115 n. Chr. datierten Nordtors der Stadt. Während der umfassenden Umstrukturierung von Gerasa ab 160 n. Chr. erfolgte auch die Erweiterung der Westthermen.

Das Thermalgebäude besteht aus fünf architektonischen Ensembles, die entlang einer Ost-West-Achse symmetrisch angeordnet sind und aus großen, regelmäßig geschichteten Kalksteinblöcken mit scharfen Fugen errichtet wurden. Insobesondere die nördliche Kammer sollte man unbedingt besuchen: Sie ist der am besten erhaltene Raum, und ihre Kuppel ist das weltweit älteste am originalen Ort erhaltene Beispiel dieser Art von Steindach.

Die Kuppel der Nordkammer. Im Hintergrund sieht man das Nord-Tetrapylon, das auf der Kreuzung des Cardo mit dem nördlichen Decumanus steht.

Die Außenwände des Raumes sind viereckig und der Grundriss im Inneren ist kreuzförmig. Die tragende Struktur besteht aus vier großen Pfeilern, die auf jeder Seite 4,75 m lang sind. Sie tragen die Bögen über den Durchgängen, die zusammen mit den Pendentifs (dreieckige Übergangssegmente) die Kuppel mit einem Durchmessen von 6,60 m stützen.

Diese Kuppel ist ein wahres Meisterwerk. Sie befindet sich noch am originalen Standort und wurde Jahrhunderte lang weder repariert noch abgestützt.

Das Kuppeldach, das dereinst die große zentrale Halle überspannte, muss noch wesentlich beeindruckender gewesen sein. Heute ist schwer vorstellbar, wie eine solche Konstruktion aus großen, in scharfen Fugen zusammengefügten Steinblöcken über einem Durchmesser von fast 20 m mit den damaligen Mitteln bewältigt wurde. Als Beleg dafür fanden die Archäologen die Schlusssteine der Kuppel.

Die Ruine der Westthermen, von Süden aus gesehen.

Auf einer Fläche von etwa 1800 m² erstreckte sich ein großer U-förmiger Hof, der das Thermalgebäude bis zur östlichen Grenze des Cardo verlängerte. Vor der nördlichen Kuppelkammer kann man zwei Säulen (62 cm Durchmesser) mit korinthischen Kapitellen unter einem monolithischen Architrav sehen. Sie sind die einzigen erhaltenen Säulen der vier Kolonnaden, die den Hof schmückten.

Korinthische Säulen der Kolonnaden des Innenhofs

Westthermen, Zeichnung von C. S. Fisher nach A. St. J. Harrison, veröffentlicht in Kraeling

Thermae oder römische Bäder

Thermae waren Bäder, die von den Römern als wesentlich für die Erhaltung der Gesundheit erachtet wurden. Die meisten römischen Städte hatten mindestens eine. In Gerasa gab es neben den Westthermen auch die Ostthermen auf der anderen Seite des Flusses sowie die Thermen in Birketein, einer Kultstätte etwa 1,5 km nördlich der Stadt.

Basierend auf dem Kontrast von Hitze und Kälte gab es Räume zum Aufwärmen, Schwitzen, Besprengen, Eintauchen oder Schwimmen. Ein öffentliches Bad bestand aus drei Haupträumen: dem tepidarium (Wärmeraum), dem caldarium (Dampfsauna) und dem frigidarium (Abkühlraum). Obwohl es einen festgelegten Rundgang gab, der es den Badegästen ermöglichte, ihre Bedürfnisse nach Hygiene und Entspannung zu befriedigen, konnten sie ihren Weg auch durch wiederholte, verlängerte und/oder verkürzte Aufenthalte in bestimmten Thermalräumen individuell gestalten. Da der Badevorgang relativ lange dauerte und Gespräche notwendig waren, ist es ziemlich sicher, dass die Thermen auch soziale, zivilgesellschaftliche oder politische Funktionen erfüllten.

Die zentrale Dreifachhalle der Westthermen wird als frigidarium interpretiert. Die Kammer im Norden mit der Kuppel in situ und ihr symmetrisches Gegenstück im Süden waren wahrscheinlich jeweils ein apodyterium (An- und Auskleideraum), und die große westliche Halle, die einst eine monumentale Kuppel überspannte, war das caldarium. Hinsichtlich der anderen Räume gibt es in der Forschung divergierende Hypothesen.

Die Westthermen, von Süden aus gesehen. Dahinter sieht man den von Säulen gesäumten nördlichen Cardo zwischen dem Tetrapylon (links) und dem Nordtor im Hintergrund.

Wasserversorgung

Für die Wasserversorgung der Westbäder existieren leider keine archäologischen Belege. Abbildungen und Aufzeichnungen der ersten Reisenden lassen vermuten, dass ein kleines Aquädukt über das Wadi Wasser von der Quelle Aïn Karawan herangeleitet haben könnte. Doch da die Westthermen mehrere Meter oberhalb der Quelle liegen, muss diese Vermutung verworfen werden.

(© Text von Universes in Universe aus Informationen in verschiedenen Quellen, vor allem T. Lepaon, 2012)

Lage:

Westthermen
Jerash Archeological City
Lage auf der Karte


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