Gerasa im heutigen Jerash ist eine der größten und am besten erhaltenen spätantiken Städte im Nahen Osten. Prächtige Säulenstraßen, Tore und Plätze, zwei imposante Tempelanlagen und Theater, die Reste zahlreicher frühbyzantinischer Kirchen und umayyadischer Bauten in der Hügellandschaft entlang eines Wadis machen Gerasa zu einem der beliebtesten Reiseziele in Jordanien.
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Informative Fototour in 3 Teilen

Der Name Jerash ist die arabische Version von Gerasa, was wiederum eine hellenisierte Form der ursprünglichen semitischen Bezeichnung Garshu war.

Jerash-Gerasa liegt an einem Flusstal inmitten einer grünen Hügellandschaft mit fruchtbaren Böden, deren landwirtschaftliche Nutzung schon in weit zurückliegender Zeit eine Basis des Wohlstands war. Eine weitere lukrative Einnahmequelle sind die Eisenerzgruben in den nördlichen Ajlun-Bergen gewesen. Auch durch die Keramikherstellung und den Handel prosperierte Gerasa bis in die byzantinische Zeit in bescheidenem Maße weiter. So entwickelte sich aus einer kleinen Siedlung die prachtvolle griechisch-römische Stadtanlage des 2. Jahrhunderts n. Chr., zu der bis um 600 n.Chr. fast 20 Kirchen und dann im 7. Jahrhundert zahlreiche umayyadische Bauten hinzukamen.

Das antike Gerasa ist durch das Wadi Jerash zweigeteilt. Auf der Ostseite lebten die meisten Einwohner und auf der Westseite war das religiöse, administrative und wirtschaftliche Zentrum. Dieser westliche Teil der Stadt ist so authentisch erhalten geblieben, weil er nach dem schweren Erdbeben von 747 n. Chr. von den Bewohnern verlassen wurde und es dort zehn Jahrhunderte lang kaum bauliche oder sonstige Eingriffe gegeben hat.

Dieser informative Fotorundgang in drei Kapiteln schlägt eine mögliche Route für die Besichtigung vor und bietet auf den jeweiligen Bildseiten für ein tieferes Verständnis hilfreiche Erläuterungen der einzelnen Baudenkmäler und urbanen Struktur.

Jerash - Chronologie

Jerash - Chronologie

7. Jahrtausend v. Chr.
Früheste nachweisbare Siedlung - östlich des Hippodroms und des Hadrian-Bogens wurden Massen an neolithischen Feuersteinwerkzeugen gefunden.

Etwa 2500 v. Chr.
Dolmen und ein Dorf aus der frühen Bronzezeit im Nordosten des Tals

3. Jahrhundert v. Chr. Erste historisch belegte Erwähnung von Garshu, wie der ursprüngliche semitische Name lautet, in der Zeit der Herrschaft von Ptolemaios II. Philadelphos (regierte 285 - 246 v.Chr.), als der Ort ein ptolemäischer Stützpunkt war.

2. Jahrhundert v. Chr.
Als der Seleukide Antiochos IV. (regierte 175 - 164) das Gebiet beherrschte, ist der Ort in Antiochia am Chrysorhoas umbenannt worden. Chrysorhoas = Goldfluss wurde damals das heutige Wadi Jerash genannt.

63 v. Chr.
Mit den Eroberungen unter dem Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus (106 - 48 v. Chr.) erlangt Rom und dann Ostrom für mehrere Jahrhunderte die Macht auch in Transjordanien. Antiochia am Chrysorhoas wird in Gerasa umbenannt, die hellenisierte Version des alten semitischen Namens Garshu, und Teil der römischen Provincia Syria. Pompeius erkannte die (relative) Autonomie einer Reihe von hellenisierten Städten an, die später als Dekapolis (der Begriff tauchte erst 100 Jahre später auf) eine Interessengemeinschaft bildeten und zu denen Gerasa gehörte.

2. Jahrhundert n. Chr.
Besonders durch die Landwirtschaft auf den fruchtbaren Böden der Umgebung und den Erzbergbau im Hügelland von Ajlun gelangte Gerasa zu Wohlstand. Wie auch andere Dekapolis-Städte profitierte es von der Expansionspolitik des römischen Kaisers Trajan (regierte 98 - 117 n. Chr.), der 106 n. Chr. das Ende des Königreichs der Nabatäer besiegelte und es in die Provincia Arabia eingliederte. In der Folgezeit enstanden neue Handelswege wie die 114 fertiggestellte Via Nova Traiana, eine 430 km langen Nord-Süd-Verbindung zwischen Bostra im Hauran, der Hauptstadt der neuen Provincia Arabia, und Aila am Golf von Aqaba.
129/130 weilte Kaiser Hadrian in Gerasa und hat wohl auch dieser Stadt Ehrenrechte verliehen. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Bautätigkeit stark zu. Das Straßenraster mit einer Hauptachse in Nord-Süd-Richtung (leicht geneigt) gekreuzt von Ost-West-Achsen entstand etwa ab 170 n. Chr. in der Zeit der höchsten Blüte der Stadt. An der Wende zum 3. Jahrhundert könnte Gerasa bis zu 25.000 Einwohner gehabt haben.

3. / 4. Jahrhundert
Im 3. Jahrhunderts begannen unruhige Zeiten, wodurch die Bautätigkeit in Gerasa weitgehend aufhörte. Das Römische Reich war von inneren Konflikten erschüttert, und in seinem Osten kam es immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen mit dem persischen Sassanidenreich.
Von 390 bis Mitte des 4. Jahrhunderts wurde die zwischen 50 und 75 n. Chr. begonnene Stadtmauer befestigt und ausgebaut. Sie umschließt das antike Gerasa auf beiden Ufern des Wadi Jerasch und ist 3460 m lang.

5. / 6. Jahrhundert
In der byzantinischen Zeit entstanden in ganz Jordanien christliche Sakralbauten, doch nirgendwo so prächtig und zahlreich wie in Gerasa, wofür allerdings ältere Bauwerke ausgeschlachtet worden sind. Die älteste Kirche ist die 450-455 n. Chr. errichtete sogenannte Kathedrale. Die meisten Kirchenbauten in Gerasa stammen aus dem 6. Jahrhundert, die Archäologen haben insgesamt 19 gefunden.

7. / 8. Jahrhundert
614 wurde auch Gerasa von den Sassaniden erobert, bis diese 629 von den Truppen des byzantinischen Herrschers Herakleios geschlagen wurden.
Mit dem Sieg des muslimischen Heeres in der Schlacht am Yarmuk 636 endete die byzantinische bzw. oströmische Ära in Transjordanien und das islamische Zeitalter brach an. Zwar gab es in Gerasa während der Eroberungszüge einige Zerstörung, doch wurde die Stadt vielmehr durch eine Pestepedemie in Mitleidenschaft gezogen.
Gerasa exisierte weiter und konnte u.a. durch die Keramikherstellung einen gewissen Wohlstand bewahren. Bis zur ersten Hälfte des 8. Jahrunderts wurden zahlreiche Gebäude umgenutzt und neue umayyadische Bauten entstanden.
Nach dem verheerenden Erdbeben von 747 verließen die Bewohner ihre Stadt. In mittelalterlichen Quellen wird Gerasa als verödet geschildert.

1806
Der deutsche Reisende Ulrich Jasper Seetzen besuchte Gerasa und war von den Ruinen begeistert.

1878 Auf Befehl des osmanischen Sultann Abdul Hamid II. werden in Gerasa Tscherkessen angesiedelt, die für ihre Häuser im Osten der Stadt antike Bauten ausschlachten. Doch blieb der Teil auf dem westlichen Ufer des Flusses nahezu unbebaut und deswegen so gut erhalten.

1928
Die systematische archäologische Erforschung von Gerasa begann mit mehrjährigen anglo-amerikanischen Ausgrabungen unter der Leitung von Carl Hermann Kraeling.

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Archäologische Stätte und Museum Jerash
Etwa 50 km nördlich von Amman

Öffnungszeiten:
Sommer: 8 - 18:30 Uhr
April - Mai: 8 - 17:30 Uhr
November - April: 8 - 16 Uhr
Ramadan: 8 - 15:30 Uhr

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